Der neue Sondergesandte der Vereinten Nationen, der frühere australische Außenminister Alexander Downer, zeigte sich richtig beeindruckt: "Es ist ein historischer Moment."
Die Atmosphäre am Sitz der UN, einem Gebäude im Kolonialstil am seit 1974 geschlossen Flughafen der geteilten Hauptstadt Nikosia, war sogar fast fröhlich. "Wie geht es Dir?", fragte auf griechisch der tür kisch-zyprische Führer Talat den griechisch-zyprischen Präsidenten. "Ach gut - ich lebe noch", sagte Christofias, der seit Jahren gesundheitliche Probleme hat.

Griechische Zyprer lehnten ab
Doch dann ging es zur Sache. "Ich weiß, Sie müssen noch hart arbeiten. Wir sind da, um Ihnen zu helfen", sagte Downer. Die Vermittler der Vereinten Nationen wissen, wovon sie sprechen. Fast alle UN-Generalsekretäre bissen im Zypernkonflikt mehr oder weniger auf Granit - zuletzt Kofi Annan. Seinen, in mühsamer zweijähriger Arbeit fertiggestellten und mehr als 11 000 Seiten umfassenden Plan zur Überwindung der Teilung lehnten die griechischen Zyprer 2004 ab. Jetzt unternimmt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon einen neuen Anlauf.
Angestrebt wird nach Berichten der griechisch- und der türkisch-zyprischen Presse die Bildung einer Föderation zwischen beiden Teilen der Insel. An den unterschiedlichen Interpretationen einer solchen Lösung scheiterte allerdings der letzte Anlauf im April 2004. Die türkischen Zyprer im Norden stellen sich die Wiedergeburt Zyperns in der Form einer Konföderation zwischen zwei Teilstaaten vor. Türkische Truppen sollen weiter die Sicherheit garantieren. Das ist für die türkischen Zyprer die Garantie für Frieden.
Die griechischen Zyprer wollen dagegen die Umwandlung Zyperns in einen Bundesstaat mit einer starken Zentralregierung. Die Insel soll entmilitarisiert werden, da es keinen EU-Staat geben könne, auf dessen Boden Truppen eines anderen Nicht-EU-Staates stationiert sind. "Wir brauchen keine Garantiemächte", sagt Christofias.

"Ich zähle nicht mehr"
Viele Menschen auf der Insel sind zurückhaltend. "Die großen Worte von "der letzten Chance" und "dem historischen Moment" höre ich seit meiner Jugend. Ich zähle nicht mehr die Anläufe zur Überwindung der Teilung", sagte beispielsweise der 60-jährige Andreas Stylianou. Er hat alle Unruhen, Kriege und die Teilung der Insel erlebt. "Mein Großvater hat sich damit schon beschäftigt, und eine Lösung ist noch nicht in Sicht."