Lange Zeit wollte Baschir, der sich vor 18 Jahren an die Spitze des islamischen Landes putschte, von der UN-Mission in der Krisenregion Darfur nichts wissen. Der zunehmende internationale Druck zeigte jedoch auch bei Baschir Wirkung. Die sudanesische Regierung willigte ein, am 27. Oktober mit Rebellen der sudanesischen Krisenregion Darfur zu neuen Friedensgesprächen zusammenkommen. Die Gespräche sollen in Libyen stattfinden, teilten UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und el Baschir nach einem Gespräch in Sudans Hauptstadt Khartum mit.
Baschirs machtvolle Position wurde ihm nicht in die Wiege gelegt. 1944 kam er als Sohn eines Landarbeiters und einer Analphabetin nördlich der Hauptstadt Khartum auf die Welt. Er wurde Soldat und kam 1989 durch einen Militärputsch an die Macht. 1993 ernannte er sich selbst zum Staatschef und ließ sich bei Wahlen drei Jahre später bestätigen. 2004 stieg Baschir auch noch zum ranghöchsten General der Armee auf. Statt einer Uniform trägt der Politiker mit dem schwarzen Haarkranz jedoch am liebsten traditionelle weite Gewänder zusammen mit einem riesigen Turban.

Politischer Mentor inhaftiert
Im Laufe seiner Karriere offenbarte Baschir einen skrupellosen Machtwillen. Seinen politischen Mentor, den islamistischen Hassan Turabi, ließ er 2001 unter dem Vorwand festnehmen, dieser habe ein Abkommen mit der Rebellengruppe SPLA geschlossen. Nach seiner überraschenden Freilassung im Oktober 2003 kam Turabi schon im März 2004 wieder in Haft, dieses Mal wegen eines angeblichen Putschversuches.
Nach seiner Machtübernahme richtete Baschir sein Land, in dem schon seit 1983 das islamische Recht, die Scharia, herrscht, noch stärker am Islam aus. Auch die Militarisierung des Sudans trieb er voran. Er verstärkte den Kampf gegen die im Süden aktive Rebellengruppe Volksarmee zur Befreiung des Sudans (SPLA) und erklärte den Konflikt zum "Heiligen Krieg gegen die Christen und die Ungläubigen". Hilfsorganisationen, die auf den Schutz der Zivilbevölkerung drangen, warf Baschir vor, den Sudan missionieren zu wollen.

Frieden mit Rebellen im Süden
Im Jahr 2004 unterzeichnete Baschir schließlich ein Friedensabkommen mit den Rebellen im Süden. Darin sind die Beziehungen zwischen dem mehrheitlich arabisch-muslimischen Norden und dem christlich geprägten Süden für eine Übergangszeit von sechs Jahren geregelt. Danach soll sich die südsudanesische Bevölkerung in einem Referendum über eine Unabhängigkeit von Khartum entscheiden. Der frühere Rebellenführer John Garang wurde als Vizepräsident vereidigt.
Dem Konflikt in Darfur setzte Baschir hingegen kein Ende. Seit Februar 2003 kämpfen dort Rebellen gegen regierungstreue Reitermilizen. UN-Angaben zufolge starben in dem Konflikt bislang mehr als 200 000 meist unbeteiligte Menschen, mehr als zwei Millionen Menschen flüchteten. Erst Mitte Juni stimmte Baschir dem lange gefassten Plan der UN zu, im Darfur die schlecht ausgerüsteten Soldaten der Afrikanischen Union (AU) durch eine eine Einheit aus insgesamt 26 000 UN-Blauhelmen und AU-Soldaten zu ersetzen.

Verschärfte Sanktionen
Eine Rolle dürfte dabei der wachsende internationale Druck gespielt haben. Ban erklärte eine Lösung des Darfur-Konflikts zur obersten Priorität. Und während China wohl wegen des Ölreichtums des Sudans die Augen vor den Gewalttaten schloss, verschärften die USA Ende Mai ihre Sanktionen gegen Khartum. Auch die britische Regierung und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprachen sich für schärfere Sanktionen aus. Baschirs Bereitschaft, Ban zu empfangen, zeigt nun, dass auch der mit eiserner Hand herrschende Präsident nicht auf Dauer gegen den Rest der Welt ankommt.