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Neue Cottbuser Uni-Bibliothek ist architektonisches Meisterwerk

Sie haben ihre originellen Handschriften an vielen Gebäuden in aller Welt hinterlassen. Ob München, Basel, London, Cottbus oder Peking – die Arbeiten der beiden Basler Stararchitekten Jaques Herzog und Pierre de Meuron fallen durch originelle Einfälle vor allem für die Fassaden auf. Von Peter Jähnel

Ihr Projekt einer multimedialen Universitätsbibliothek in Cottbus zum Beispiel, die im Dezember eröffnet werden soll, hat außen keine Ecken und Kanten, sondern nur Rundungen.

International bekannt
Die beiden Architekten, die zur Weltspitze ihrer Zunft gerechnet werden, entwarfen etwa für das neue Fußballstadion in München, die Allianz-Arena, eine in den jeweiligen Vereinsfarben leuchtende Fassade. Das Nationalstadion in Peking wiederum, wo die Olympischen Sommerspiele 2008 eröffnet und beendet werden, soll nach den Plänen von Herzog und de Meuron an ein Vogelnest erinnern. Und das neue Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum (IKMZ) der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus hat quasi weder eine Vorder- noch eine Hinterseite.
Mit seiner weiß gemusterten Glasfassade gilt das 32 Meter hohe Bauwerk als ein neues Wahrzeichen der 100 000-Einwohner-Stadt. Von weitem sieht die Fassade des Baus, der 29 Millionen Euro kostete, wie Milchglas aus, ähnlich wie bei der Stadtbibliothek von Ulm. Doch wenn man näher kommt, löst sich das verschwommene Bild in unzählige Punkte auf. „Die doppelschalige Glasfassade des Gebäudes besteht aus stilisierten Buchstaben der Weltsprachen“, erläutert die Leiterin der Universitätsbibliothek, Annette Warnatz.

Richtungsweisendes Gebäude
Für den BTU-Präsidenten Ernst Sigmund sind Hülle und Funktionalität des Medienzentrums „ziemlich richtungsweisend in Deutschland“. „Dieses Gebäude kann auch zum Mekka für Architekten werden“, schwärmt der Schwabe Sigmund. Die Universität, an der rund 5000 Studenten aus 80 Nationen lernen, ist besonders aktiv bei Forschungen zur Triebwerkstechnik, Materialtechnik und zu neuartigen Energietechnologien.
Herzog und de Meuron wollten mit dem Projekt auf dem Campus am Rande des Stadtzentrums nach eigenem Bekunden die Universität räumlich und inhaltlich mit der Stadt verbinden. „Auf 7630 Quadratmetern Nutzfläche stehen hier den Studenten sowie anderen Nutzern aus der Stadt und der Region rund 800 000 Bücher, Zeitschriften, CDs, CD-ROMs und Mikrofilme zur Verfügung“, berichtet Warnatz. An den meisten der 622 Benutzerplätzen könne man im weltweiten Datennetz surfen.

Neue Infrastruktur der Infos
Andreas Degkwitz, Leiter des Medienzentrums, weist auf eine Besonderheit hin, die es nur an wenigen Hochschulen in Deutschland gebe: „Mit Gründung des IKMZ Anfang dieses Jahres haben wir die Bibliothek, das Multimediazentrum, das Rechenzentrum und die Verwaltungsdaten-Verarbeitung unter eine gemeinsame Leitung gestellt, um eine neue Qualität der Informations-In frastruktur an der BTU Cottbus zu erreichen.“ Dies sei ein wichtiger Schritt hin zu einer virtuellen Universität.
Diese ist auch nötig, denn die Wissenschaftler und Studenten pflegen intensive Kontakte mit Industrieunternehmen wie dem Energiekonzern Vattenfall Europe und dem Triebwerkshersteller Rolls-Royce in Dahlewitz bei Berlin. Zudem ist die BTU Cottbus attraktiv für ausländische Studenten, bietet sie ihnen doch unter anderem die beiden internationalen Studiengänge Welterbe sowie Umwelt- und Ressourcen-Management in englischer Sprache.
Wenn die Studenten in wenigen Wochen die Innenräume der neuen Bibliothek betreten, werden sie von knalligen Farben überrascht – die Wände leuchten in Rot, Grün, Gelb, Blau und Magenta. Durch die Etagen windet sich eine große Spindeltreppe bis ganz nach oben und im Lesesaal hängen riesige spiralförmige Kronleuchter aus Metall. Die große Eröffnungsfeier soll Mitte Januar steigen. Dann wird viel Prominenz aus der Politik und der Wirtschaft erwartet – selbstverständlich werden auch die Schweizer Schöpfer der neuen architektonischen Perle zu den Gästen gehören.
Internet: BTU Cottbus: www.tu-cottbus.de