Der Haushaltskontrollaussschuss sei von Präsidentin Gisela von der Aue schriftlich darüber unterrichtet worden, dass sie ihre Betrugsanzeige gegen Hülsmann ausgedehnt habe. Nach Informationen der RUNDSCHAU haben Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft kurz vor Weihnachten Dienst- und Privaträume von Hülsmann durchsucht und umfangreiches Aktenmaterial beschlagnahmt, darunter auch Terminkalender.
Aufgrund einer Strafanzeige der Rechnungshof-Präsidentin ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft wegen Betrugs im schweren Fall bereits seit Oktober gegen Hülsmann. Er soll wie berichtet in über 200 Fällen überhöhte beziehungsweise vorgetäuschte Reisekosten abgerechnet und den Rechnungshof um rund 45 000 Euro geschädigt haben. Einen vergleichbaren Fall hat es bisher unter den Rechnungshof-Präsidenten beziehungsweise Vize-Präsidenten noch nicht gegeben. Der Fall löst in Landtagskreisen auch deshalb Kopfschütteln aus, weil Hülsmann als besonders penibler und scharfer Prüfer galt. Er hatte zum Beispiel von der Staatskanzlei in einem Prüfbericht "strengere Maßstäbe" bei der Bewilligung von Reise- und Umzugskosten sowie Trennungsgeld verlangt. Trotz der neuen Vorwürfe ist Hülsmann weiterhin im Dienst.
Unter Abgeordneten setzt sich inzwischen jedoch die Meinung durch, dass er vorläufig vom Dienst suspendiert werden sollte. Von der Aue habe, wie es in Landtagskreisen hieß, angekündigt, dass sie die vorläufige Dienstenthebung Hülsmanns beim zuständigen Richterdienstgericht beantragen werde.
Auf die neuen Ungereimtheiten ist die Rechnungshof-Präsidentin, wie dem Schreiben an den Landtags-Ausschuss zu entnehmen ist, durch Hinweise aus der Eigentümergemeinschaft der Ferienanlage gestoßen. Hülsmann ist dort Miteigentümer und als "Beirat" tätig. Von der Aue hatte darauf hin zwei Mitarbeiter zu einer Miteigentümerin nach Flensburg entsandt, die dort Unterlagen in Empfang nahmen. Hülsmanns Anwalt Matthias Dombert hatte diese Vorgehensweise Anfang Dezember scharf kritisiert und von der Aue Missbrauch der Amtsführung und Verschwendung von Steuergeldern vorgeworfen. Diese hatte ihr Vorgehen jedoch damit verteidigt, dass die Vorwürfe "in konkretem Bezug zu seiner dienstlichen Tätigkeit stehen", was sich jetzt offenbar bestätigt hat: Konkret hat sich in drei weiteren Fällen der Verdacht auf Falsch- beziehungsweise Doppelabrechnungen zu Lasten des Lande s erhärtet.
Weiter unter Druck gerät Hülsmann auch, weil angebliche Dienstfahrten zum Landesrechnungshof Nordrhein-Westfalen von diesem nicht bestätigt wurden. Nach einem Schreiben der Düsseldorfer Präsidentin kann nur bei fünf von 33 abgerechneten Fahrten tatsächlich von einem Aufenthalt Hülsmanns am dortigen Landesrechnungshof ausgegangen werden.
Der Verdacht liege nahe, dass er diese Fahrten zu privaten oder geschäftlichen Zwecken unternommen habe und an diesen Tagen unentschuldigt dem Dienst ferngeblieben sei, heißt es in dem Schreiben an den Ausschuss. Sowohl Präsidentin von der Aue wie auch Vize Hülsmann waren zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen.