Von Heidrun Seidel

67 geplante Veranstaltungen von Krimi bis Komödie, von Rock- bis A-cappella-Konzert, von Comedy bis Kabarett und von Kinder-Mitmach-Musik bis zum romantischen Märchen stehen auf dem Programm für die zwölfte Spielzeit des Amphitheaters am See unter der Regie der Neuen Bühne Senftenberg.

Mit diesem vielversprechenden Programm verabschiedet sich Andreas Stanicki als organisatorischer Leiter der Sommerspielstätte. Eigentlich hatte der 70-Jährige schon für 2018 die Übergabe an einen Nachfolger geplant. Diese Spielzeit war die zahlenmäßig bisher erfolgreichste Spielzeit gewesen. 31 500 Besucher hatten im vorigen Jahrhundertsommer die 70 Veranstaltungen gesehen.

Die Übergabe verschob sich – und nun stehe er vor dem Dilemma, das Ergebnis 2019 wieder toppen zu wollen, scherzte der versierte Theatermann am Dienstagnachmittag bei der öffentlichen Vorstellung des Programms für den 2019er-Sommer. Und das, so fürchtet er, sei angesichts des Vorjahreserfolgs kaum möglich. Doch die Chancen stehen gar nicht so schlecht angesichts eines Programms mit vielen großen Namen und meist großen Fangemeinden. Die reisen, so die Erfahrung der Senftenberger, nicht nur aus der nahen Umgebung, sondern auch von weiter her an: aus Dresden, Berlin oder Leipzig.

Sie schätzen wie auch viele Künstler die intime Atmosphäre des etwa nur 600 Sitzplätze fassenden Theaterrunds. Während 2008 zur ersten Spielzeit, in der die Neue Bühne mit Andreas Stanicki die Verantwortung für das Programm übernommen hatte, 13 000 Gäste die Vorstellungen besuchten, ist das Amphitheater mit der Besucherzahl nun zur wichtigsten der vier Spielstätten der Neuen Bühne geworden, würdigt Intendant Manuel Soubeyrand. 31500 von 70 000 Theaterbesuchern insgesamt sprechen dafür, „und es ist die Spielstätte, die am meisten in die Region ausstrahlt“. Das habe man auch Heinz Klevenow zu verdanken, dem es in seiner Intendanz geschickt gelungen war, Gelder für den Bau des Amphitheaters aufzutreiben.

Für Tom Fehrmann sind Stanickis Fußstapfen groß, gesteht der junge Kulturwissenschaftler und Medienpsychologe, der für das Programm 2020 erstmals die volle Verantwortung tragen wird. Seit zehn Monaten ist er am Senftenberger Theater für die Landesbühnentätigkeit verantwortlich und sorgt somit für Gastspiele der Theaterleute in anderen Häusern Brandenburgs. „Aber ich weiß in Andreas Stanicki einen guten Ratgeber“, freut er sich auf die neue Aufgabe.

Dabei plant er keine „Palastrevolution“, sondern setzt auf Kontinuität. Schließlich ist ihm bewusst, dass die kleine Spielstätte sowohl Chancen in ihrer Intimität als auch Grenzen hat, weil sie manchen Künstlern zu wenig Plätze bietet. Doch von der Faszination des brodelnden Kessels habe er sich selbst schon bei einem Night-Fever-Konzert anstecken lassen: Selbst nicht zur Generation der Bee-Gees-Fans gehörend, war er so begeistert, dass er nun die Musik im Auto hört und selbst mitsingt, wie das begeisterte Amphi-Publikum.

So freut er sich auch auf das zwölfte von seinem Vorgänger organisierte Programm. Große Namen der Musikszene stehen darauf: Heinz Rudolf Kunze gibt sein Amphi-Debüt, Anna Loos, Jan-Josef Liefers, Purple Schulz, Gitte Haenning sind ebenso dabei wie bewährte und neue Komödien des Boulevardtheaters aus Dresden, liebevoll inszenierte Kinderstücke oder große Hits in Original-Cover-Shows über Johnny Cash, die Beatles oder Mercury.

Eröffnet allerdings wird nach einem Ostrock-Vorspiel der Kreismusikschule des Oberspreewald-Lausitz-Kreises der Theatersommer am See traditionell mit einer Eigenproduktion der Neuen Bühne: „Die Dreigroschenoper“ ist es 2019. Darauf freut sich besonders der Brecht-affine Intendant Manuel Soubeyrand, der als Regisseur das Publikum in die Londoner Unterwelt entführen wird.

Er hofft, ihm eine fröhliche und muntere Seite Bertolt Brechts zu zeigen, denn für die politisch ernsten Fragen unserer Zeit finde er eher Antworten in „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ oder „Die Tage der Commune“ des Augsburgers – auch wenn das Zitat, „Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank“ aus der Dreigroschenoper legendär geworden ist.

Seit gestern ist das Programm auf der Homepage des Theaters www.theater-senftenberg.de freigeschaltet – und buchbar.