Am Dienstag gab die sozialistisch beherrschte Nationalversammlung der Verbindung von Schwulen und Lesben den offiziellen Segen. Die Zustimmung auch im Senat, der zweiten Kammer des Parlaments, gilt als sicher.

Umstritten war vor allem das Adoptionsrecht. Bis zur Abstimmung hatten die 577 Abgeordneten einen Sitzungsmarathon hinter sich bringen müssen. Für die mehr als 5300 Änderungsanträge vor allem der konservativen Opposition brauchten die Parlamentarier zehn Sitzungstage. Nächte und Wochenenden waren ebenfalls für die Beratungen reserviert. Knapp 110 Stunden lang ging es bis Dienstagmorgen um das neue Recht für Schwule und Lesben. Entsprechend befreit war der Applaus der sozialistischen Mehrheit nach der Abstimmung mit 329 zu 229 Stimmen. Der Streit drehte sich letztlich um den entscheidenden neuen Paragrafen 143 für den berühmten Code civil, die französische Vorlage des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs.

Darin heißt es: "Die Ehe wird geschlossen von zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts oder gleichen Geschlechts." Alle weiteren Regelungen - auch das neue Adoptionsrecht - basieren auf diesem Satz.

Im Land der "égalité" gilt damit Gleichheit nun auch für Homosexuelle, inklusive Adoptionsrecht. Vor allem dieser Punkt brachte die "fraternité", die Brüderlichkeit im Land schwer ins Wanken. Dabei hatte Präsident Hollande das Vorhaben in bester republikanischer Tradition gewähnt.

Der zunächst von Kirchen und Konservativen getragene Widerstand griff allerdings rasch um sich. Der sozialistischen Regierung blies ein Proteststurm vor allem aus der strukturell konservativen Provinz entgegen. Bereits Ende des vergangenen Jahres kamen die Menschen in vielen Städten zusammen, um bunt und fantasievoll gegen Homo-Ehe und Adoptionsrecht aufzubegehren. Meist erfolgreich bemühten sie sich dabei, schwulen- und lesbenfeindliche Ausgrenzungen zu verhindern.

Zum zentralen Aktionstag im Januar in Paris trommelten die Gegner dann nach eigenen Angaben mehr als eine Million Unterstützer zusammen.

Den Aufstand des konservativen Frankreichs wollten die Befürworter nicht auf sich sitzen lassen. Zwei Wochen später gingen 125 000 (nach Polizeiangaben) oder 400 000 (laut Veranstalter) Menschen für Schwule und Lesben auf die Straße.