Ausgehend von den Wahlversprechen der Prodi-Allianz L'Unione (Die Einheit) erwarten Experten grundlegende Korrekturen an der Politik des bisherigen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

Außenpolitik:
Europa: Italien wird wieder zu einem aktiven Mitglied des europäischen Aufbaus. Dem Euroskeptiker Berlusconi folgt mit Prodi ein früherer EU-Kommissionpräsident, der in seiner Zeit als Regierungschef (1996-98) Italien in die Euro-Zone führte.
USA: Mit Berlusconi verliert US-Präsident George W. Bush einen seiner treuesten Verbündeten und Anhänger einer US-Vormachtstellung. Prodi dürfte sich deutlich weniger an Washington ausrichten als sein Vorgänger.
Irak: Prodi versprach, die rund 3000 italienischen Soldaten im Irak "in Abstimmung mit den irakischen Behörden so schnell wie möglich" abzuziehen. Das könnte zeitlich in etwa auf das gleiche hinauslaufen wie die Ankündigung Berlusconis, die Truppen bis Ende 2006 zurückzuholen.
Israel: Prodi wird die pro-israelische Haltung Berlusconis durch die traditionell neutralere Position Italiens im Nahost-Konflikt ersetzen.

Innenpolitik:
Wirtschaft: Nach der als liberal qualifizierten Politik Berlusconis, in deren Verlauf die staatliche Verschuldung wuchs, wird Prodi versuchen, den öffentlichen Haushalt zu sanieren.
Steuern: Die neue Regierung will gegen die Steuerflucht angehen. Ziel ist es, "mindestens ein Drittel" von geschätzten 200 Milliarden Euro hereinzuholen, die jährlich am Fiskus vorbeigeschleust werden.
Industrie: Prodi kündigte an, die Belastung der Unternehmen bei den Arbeitskosten um fünf Prozent zu senken.
Familienförderung: Künftig soll es monatlich 200 Euro Kindergeld für jedes Kind bis zum Alter von 18 Jahren geben. (AFP/ksi)