Sein Vertrag ist zunächst auf ein Jahr befristet. Seine Aufgabe: für Ruhe sorgen. Denn schon lange vor der fristlosen Entlassung seines Vorgängers Andreas Brakmann ist das Carl-Thiem-Klinikum ins Gerede geraten: wegen zu großer Unruhe unter der Ärzteschaft, hoher Fluktuation und Irritationen über Umplanungen bei den neusten Bauprojekten des Klinikums.

Brodermann, smart wie einer dieser modernen Fußballtrainer, wird an den Bauprojekten jedoch keine Kurskorrekturen vornehmen. "Die Umplanungen, die unter der Ägide von Herrn Brakmann vorgenommen wurden, setzen wir um." Dabei geht es vor allem um eine ursprünglich geplante Verlegung des Küchentraktes, die Brakmann rückgängig gemacht hatte. Götz Brodermann: "Wir werden mit den Bauarbeiten an Haus 62/63, dem neuen Haupteingang und der neuen Notaufnahme vorfristig fertig werden und im September eröffnen." Das geplante Parkhaus sowie zwei Strahlenbunker für neue Linearbeschleuniger werden ebenfalls gebaut.

Die Klagen über eine große Ärztefluktuation in den vergangenen zwölf Monaten sind dem neuen Geschäftsführer bekannt. Für ihn seien "95 Prozent der Kündigungen" allerdings "ganz normale Folgen eines Generationswandels". So seien 2015 mehrere Chefärzte altersbedingt ausgeschieden. "Das bringt Unruhe in die Kliniken. Viele Ärzte, die an ihren Chefs hängen, gehen dann lieber, anstatt sich umzugewöhnen." Dieser Dominoeffekt habe durchaus "reinigende Wirkung", so Brodermann. Zudem verweist er auf eine gute Patientenauslastung. "Wir haben im stationären Bereich zwei Prozent mehr Patienten als im Vorjahr, können uns also nicht über mangelndes Vertrauen beklagen."

Dennoch gebe es Nachwuchsprobleme im ärztlichen Dienst. "Wir werden von Berlin oder Dresden aus nicht wahrgenommen." Das Krankenhaus bemüht sich daher verstärkt darum, junge Mediziner auf Dauer an Cottbus zu binden - etwa mit einer attraktiven Ausbildung zum Allgemeinmediziner, bei der alle Ausbildungsschritte vor Ort absolviert werden können.

Ausländischen Ärzten werden künftig 50-Prozent-Stellen angeboten, bei denen sie vormittags Dienst tun und nachmittags Vorlesungen hören und Deutschunterricht bekommen. "Wir stellen eigens dafür einen Lehrer ein", so Brodermann.