Sie gehört zu diesen energischen jungen Frauen aus der Lausitz, die sehr genau wissen, was sie wollen. Doreen Lehmann, aufgewachsen in Großräschen, studierte nach der POS Jura in Dresden, hängte dann fünf Semester Medieninformatik in Innsbruck an und beschäftigte sich intensiv mit Computern, Internet und den Möglichkeiten des Tourismus.

2003 kehrte sie in ihre Heimat zurück. "In Westdeutschland würde ich mit meiner Ausbildung zwar einen guten Job finden, ich will aber hier versuchen, etwas aufzubauen und Menschen dazu bewegen, wieder in die Region zurückzukommen."

Sie liebt die Gegend zwischen Senftenberg und Drebkau, besonders jetzt, da sie am anderen Ende der Welt die Grenzen ihrer psychischen und physischen Leistungsfähigkeit austestet: Seit drei Monaten ist die Extremsportlerin auf der Südinsel Neuseelands unterwegs. 70 bis 80 Rad-Kilometer am Tag sind Durchschnitt. "Wenn's bergab geht, schaffe ich auch 120", mal alleine und dann wieder in Gesellschaft von anderen Radsportlern. "Ich hatte mich eigentlich nur deshalb für Neuseeland entschieden, weil Australien mir zu heiß ist. Dass es hier so viele Radtouristen gibt, hat mich überrascht." Doreen ist schon mit Kanadiern gefahren, mit Schweizern, Südamerikanern und Neuseeländern. "Und immer mache ich dabei Werbung für einen Urlaub in der Lausitz. Denn bei uns kann man mittlerweile doch auch ganz wunderbare Radtouren machen."

Doch noch genießt sie die Zeit am anderen Ende der Welt. Körperliche Strapazen, Naturschönheit, Begegnungen, eintauchen in eine andere Sprache und ein so ganz anderes Leben. Sie hat sich eine befristete Arbeitsgenehmigung besorgt, finanziert mit Gelegenheitsjobs ihren Aufenthalt. "Ein paar Wochen habe ich in einem Weinberg Reben verschnitten und hochgebunden, dann wieder in einer Abfüllfabrik am Band gestanden."

Die Jobs vermitteln Hostels, preiswerte Herbergen, die mit den örtlichen Arbeitgebern in Verbindung stehen. "In den Hostels gibt es auch wunderbar eingerichtete Küchen, so kann ich mich selbst versorgen." Meist aber übernachtet Doreen im Zelt und wärmt sich auf ihrem kleinen Kocher Dosensuppen auf.

"Das Land ist leider ziemlich amerikanisiert. Wenn es irgendwo preiswert was zu essen gibt, sind es garantiert Burger oder Chicken." Das deutsche Brot vermisst sie, mehr noch aber ihren Computer und einen schnellen Internet-Anschluss. Die frühere IBA-Mitarbeiterin hat sich im vergangenen Jahr selbstständig gemacht, betreut einen Teil ihrer Kunden jetzt von Neuseeland aus - "Internet-Cafés gibt es fast in jedem Ort". Doreen Lehmann ist Computerfachfrau. Betreut bis heute den Server der IBA, richtet Internetseiten ein, berät bei Neuanschaffungen. Ab Mitte Mai dann wieder von Deutschland aus. Nur am Computer sitzen, das wird allerdings auch dann nicht ihre Welt sein. "Wenn ich Zeit finde, setze ich mich aufs Rad oder nehme mir die Inliner und erkunde die Gegend um Sedlitz, Partwitz oder Senftenberg. Meine Großmutter hat in Lindchen ein Haus, ideal zur Radler-Rast."

Und wenn Doreen mit ihrer Heimatwerbung Erfolg hat, wird sie bestimmt irgendwann einen Radler aus Neuseeland treffen - auf Eroberungszug in Neu-Seeland.