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| 14:23 Uhr

„Nessie“ auch in Walbrzych?

epa05489261 A digger works around the area on the 65th kilometer of the railway track Wroclaw-Walbrzych, during the attempt to explore the existence of the so-called 'Nazi Gold train', in Walbrzych, Poland, 16 August 2016. Piotr Koper and Andreas Richter, who reported finding the so-called 'Nazi Gold train" in August 2015, started the final excavation of the train. In December 2015 two independent studies were conducted by AGH University of Science scientists and by Koper and Richter. AGH University of Science scientists claim the tunnel may exist, but have found no evidence of so-called 'Nazi Gold Train' in it. The second report, by Koper and Richter, claims there are some anomalies in the soil possibly indicating the existence of a train. EPA/MACIEJ KULCZYNSKI POLAND OUT +++(c) dpa - Bildfunk+++
epa05489261 A digger works around the area on the 65th kilometer of the railway track Wroclaw-Walbrzych, during the attempt to explore the existence of the so-called 'Nazi Gold train', in Walbrzych, Poland, 16 August 2016. Piotr Koper and Andreas Richter, who reported finding the so-called 'Nazi Gold train" in August 2015, started the final excavation of the train. In December 2015 two independent studies were conducted by AGH University of Science scientists and by Koper and Richter. AGH University of Science scientists claim the tunnel may exist, but have found no evidence of so-called 'Nazi Gold Train' in it. The second report, by Koper and Richter, claims there are some anomalies in the soil possibly indicating the existence of a train. EPA/MACIEJ KULCZYNSKI POLAND OUT +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Maciej Kulczynski (LR-MOB-RED-655)
Waldenburg/Walbrzych. Es ist Sommer. Und wie das Ungeheuer von Loch Ness in der Ferienzeit, wenn man auf Touristenströme hofft, seinen Kopf wohl öfter aus dem See strecken wird, taucht auch sein polnisches Pendent wieder auf – der niederschlesische „Goldzug“. Verena Ufer

Auch wenn alle Suchaktionen bislang erfolglos blieben - der Mythos lebt in den niederschlesischen Bergen. Längst ist der " Goldzug " quasi die "Nessie" von Polen.

" Nessie ", das saurierartige Fabelwesen soll im Loch Ness, einem See in Schottland nahe der Stadt Inverness leben. Unscharfe Fotos von seinem vermeintlichen Auftauchen sorgen jedes Jahr für Schlagzeilen - nicht nur in Schottland.

Neues vom Goldzug in Walbrzych

Der " Goldzug " hat möglicherweise ein ähnliches Potenzial. Denn nach einigen Monaten Funkstille gibt es auch wieder Neuigkeiten von den Schatzsuchern in Polen. Auf dem polnischen Internetportal Onet berichteten die Hobbyhistoriker Piotr Koper und Andreas Richter dieser Tage, dass die Forschungen nahe der Stadt Walbrzych , auf Deutsch Waldenburg, in Bälde weitergehen sollen - vielleicht im Juni noch. Wenn denn alle Genehmigungen vorlägen.

Nicht mit schwerem Gerät und tiefen Grabungen wolle man weiterkommen. Mithilfe von Geophysikern soll das Gelände am Kilometer 65 der Bahnstrecke Wroclaw/Breslau-Walbrzych mit modernen Verfahren tiefer als in den Vorjahren untersucht werden, ist auf Onet zu lesen. Bislang war bei sechs Metern Schluss.

Die Geschichte der Schatzsucher, die immer noch Menschen in aller Welt in ihren Bann zieht, ist im Sommer 2015 geboren worden. Auch die RUNDSCHAU berichtet über die Story: Die Hobby-Historiker Piotr Koper und Andreas Richter behaupten damals, von einem Panzerzug der Nazis mit Gold oder anderen Schätzen erfahren zu haben. In einem Stollen des weitverzweigten Bergbau-Tunnelnetzes in der Nähe der Stadt Walbrzych sollen die Nazis ihn vor Kriegsende versteckt haben. Dies hätten sie von einem Zeitzeugen in der Stadt erfahren. Was dann einsetzt, ist ein regelrechter Untersuchungsmarathon, flankiert von Pressekonferenzen, in denen die Freizeit-Forscher immer neue Thesen aufstellen und immer wieder vermeintliche Beweise versprechen.

Region wird Touristenmagnet

Bagger rücken an und graben, wo Richter und Koper den Zug auf Bodenradar-Bildern ausgemacht haben wollten. Soldaten der polnischen Armee helfen bei der Suche. Geophysikalische Messungen stehen auf der Tagesordnung. Und auch in Polen bekannte seriöse Wissenschaftler lassen sich auf den "Goldzug-Hype" ein. Etwa Experten der Bergbauakademie AGH in Krakau. Aber auch sie können die Existenz eines Zuges, in dem die Nazis Kriegsbeute vor den Russen versteckt haben sollen, nicht bestätigen. Das Vorhandensein von Tunneln schließen sie nicht aus. Aber dass es unterirdische Gänge in der Region gibt, die seit Langem auch Schatzsucher anziehen, ist bekannt. Die Nazis hatten in Südwestpolen ein großes Stollensystem errichtet, bekannt unter dem Namen "Projekt Riese".

Bereits bis zum Herbst 2015 erlebte die Region um Walbrzych einen gewaltigen Besucheransturm. Denn wenn auch viele Journalisten die Aufregung um den vermeintlichen Schatz mit einer gewissen Skepsis verfolgen, so berichteten sie dennoch über die Suche. Denn Gold geht immer! In ihrem Schlepptau kommen bis heute Touristen aus aller Welt: aus den USA, aus China, Russland, Großbritannien und Deutschland. Sie können inzwischen in einem großen Souvenir-Sortiment mit T-Shirts, Tassen, Magneten, Schoko-Goldbarren und mehr schwelgen. Das Wissenschafts- und Kulturzentrum Walbrzychs "Stara Kopalnia" auf dem Territorium der ehemaligen Steinkohle-Zeche Julia nimmt sehr schnell touristische "Gold-Touren für Entdecker" ins Angebot auf. Und als Kopers und Richters Unternehmung ohne greifbare Erfolge bleibt, beginnt in einem kleinen Dorf in der Nähe der Grabungsstelle ein anderer Hobbyhistoriker, sich seinen eigenen "Goldzug" originalgetreu aufzubauen - wie in einem Beitrag der deutsch-polnischen rbb-Sendereihe " Kowalski & Schmidt " von Anfang 2017 verfolgt werden kann.

"Schatzsuche hat sich gelohnt"

Die Direktorin der Stara Kopalnia, Anna Zabska, war schon im Herbst?2015 mit den Folgen des "Goldzug-Hypes" höchst zufrieden. Auf die Journalistenfrage: Und wenn gar nichts gefunden wird?, antwortete sie damals: "Kein Problem! Schon jetzt hat sich die Schatzsuche gelohnt." So dürften die meisten Menschen in und um Walbrzych bis heute denken. "Der Goldzug" hat die Region bekannt gemacht und für gewaltigen Touristenzulauf gesorgt. In der Region baut man darauf, dass das so bleibt.

Das "Ungeheuer von Loch Ness" soll bekanntlich im Jahr 565 erstmals erwähnt worden sein. Und es ist heute noch eine Touristen-Attraktion.