Die Abstimmung der Linken im Kreisverband Lausitz am kommenden Samstag über den Direktkandidaten zur Bundestagswahl 2013 war mit Spannung erwartet worden. Schließlich ging es dabei um die Zukunft des 2009 in Cottbus/Spree-Neiße direkt gewählten, parteilosen Ex-Bundesrichters Wolfgang Neskovic. Jetzt sollten die Genossen entscheiden, ob Neskovic oder die Spremberger Landtagsabgeordnete Birgit Wöllert für sie in den Bundestagswahlkampf ziehen soll.

Doch dazu kommt es nicht, vielmehr werden Neskovic und Wöllert sich im nächsten September gegenseitig Wählerstimmen streitig machen. Denn am Donnerstag erklärte Neskovic seinen sofortigen Austritt aus der Bundestagsfraktion der Linken und seine Absicht, als unabhängiger Kandidat sein Bundestagsmandat verteidigen zu wollen.

Neskovic beendet damit ein Zerwürfnis mit dem Lausitzer Kreisvorstand der Linken und dem Landesvorstand der Partei. "Offensichtlich ist in ihm die Erkenntnis gereift, dass Birgit Wöllert sich bei der Nominierung durchsetzen würde", kommentierte Kreisvorsitzender Matthias Löhr die Entscheidung von Neskovic. Es sei somit "die Flucht vor der Niederlage".

Etwas freundlicher fiel die Reaktion des Landesvorstandes der Linken aus. Landesvorsitzender Stefan Ludwig bedauerte den Schritt des Bundestagsabgeordneten. Dessen Beiträge und Kritik seien immer willkommen gewesen, so Ludwig. Zuletzt habe sich Neskovic jedoch durch die Art seines Agierens in der Partei isoliert.: "Ein Dialog mit ihm war nicht möglich."

Auch Birgit Wöllert, die nun vermutlich am Samstag ohne Gegenkandidat nominiert wird, bedauert die Entscheidung von Neskovic: "Ich hätte es besser und ehrlicher gefunden, wenn er sich zur Abstimmung gestellt hätte." Sie glaubt nicht, dass ein Einzelkämpfer im Bundestag wirkungsvoll Politik machen könne. Schon die eingeschränkten Rechte eines Fraktionslosen setzten da Grenzen.

Neskovic selbst begründete seine Entscheidung damit, seine Kraft nicht länger auf Abwehrkämpfe gegen Angriffe aus der eigenen Partei verschwenden zu wollen. "Ich möchte endlich wieder frei atmen können", so Neskovic. Er war früher Mitglied der SPD und der Grünen. Für die Linke war er ohne Parteibuch aktiv.