Nach Einschätzung von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sind die rechtsextremen Strukturen im Umfeld des Zwickauer Trios größer, „als wir uns das vorgestellt haben und damit noch gefährlicher“. Umso dringlicher müssten die Sicherheitsbehörden die Frage beantworten, warum die Zelle jahrelang unentdeckt blieb. „Das macht sehr unruhig“, sagte er. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte am Wochenende eine bessere Zusammenarbeit der Behörden an. Zwar müsse die Trennung zwischen Polizei und Geheimdiensten weiterhin gewahrt bleiben, sagte die Kanzlerin in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. „Aber informieren müssen sich die Behörden untereinander.“

Angesichts der Hinweise auf gravierende Pannen wurde der Ruf nach einer unabhängigen Untersuchung lauter. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) forderte in der Zeitung „Sonntag Aktuell“ die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, in der schwarz-gelben Koalition wurde die Berufung eines Sonderermittlers erwogen. Ein entsprechender Schritt werde mit der Opposition im Parlamentarischen Kontrollgremium, das im Bundestag für die Überwachung der Geheimdienste zuständig ist, beraten, berichtete die „Mitteldeutsche Zeitung“.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) stellte derweil eine zentrale Gedenkfeier für die Opfer der Neonazi-Mordserie in Aussicht. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) kündigte eine Entschädigung für die Angehörigen der Neonazi-Mordopfer an. Auch wenn finanzielle Hilfen das Leid nicht ungeschehen machen könnten, wolle sie so versuchen, „den Angehörigen ein Zeichen unserer Solidarität zu geben“, sagte die Ministerin der „Welt am Sonntag“.

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