Ist Beate Z. eine kaltblütige Serienmörderin? Eine Rechtsextreme, die aus tiefem Hass heraus zusammen mit ihren zwei Kumpanen im vergangenen Jahrzehnt eine Blutspur durch ganz Deutschland gezogen hat? Die Bundesanwaltschaft hegt genau diesen Verdacht gegen die 36 Jahre alte Frau, die sich am Dienstag in Jena der Polizei gestellt hatte und bisher in ihren Vernehmungen schweigt.

Neue Beweisstücke

Die Karlsruher Ermittler vermuten, dass Beate Z., Uwe B. und Uwe M. außer für den Mord an einer Polizistin in Heilbronn auch für die sogenannten Döner-Morde verantwortlich sein könnten: Von 2000 bis 2006 wurden neun Männer erschossen, acht türkischstämmige Bürger und ein Grieche.

In den vergangenen Tagen fanden die Ermittler immer neue Beweisstücke in den Überresten der Wohnung in Zwickau, die Z. am vergangenen Freitag in die Luft gesprengt hatte, nachdem ihre beiden Mitbewohner Uwe B. und Uwe M. sich nach einem Banküberfall in ihrem Wohnmobil selbst getötet hatten. In dem Wohnmobil fanden die Ermittler die Dienstpistolen der in Heilbronn 2007 erschossenen Polizistin und von ihrem damals schwer verletzten Kollegen.

Tatwaffe entdeckt

Einen noch weitaus brisanteren Fund machten die Spurensucher dann in den Trümmern der Wohnung: Dort fand sich die Pistole der Marke Ceska mit dem Kaliber 7,65 Millimeter – jene Waffe, mit der die Döner-Morde begangen wurden. Obwohl wegen der Vielzahl der Toten mit größter Akribie gefahndet wurde, hatten die Ermittler in der Mordserie bisher im Dunkeln getappt.

Mal hieß es, es gebe Verbindungen zur Wettmafia, dann wurde der Verdacht gehegt, es könne etwas mit Schulden der Getöteten zu tun haben. Alle neun Männer im Alter von 21 bis 50 Jahren waren Kleinunternehmer, einer führte eine Dönerbude. Und in allen der in Hamburg, Nürnberg, München, Rostock, Dortmund und Kassel verübten Taten waren die Mörder mit größter Kaltblütigkeit vorgegangen: Jeweils am hellichten Tag gingen sie in die Läden ihrer Opfer, die sich zu diesem Zeitpunkt bis auf einen Fall jeweils alleine darin befanden.

Auf der Pistole hatten sie einen Schalldämpfer, um den Lärm der Schüsse zu dämpfen. Als die Leichen entdeckt wurden, waren die Täter bereits verschwunden.

Den einzigen Zusammenhang, den die Ermittler zwischen den Morden feststellen konnten, war die Waffe – die Opfer hatten nichts miteinander zu tun. Ein Motiv fanden sie nicht – nur die Vermutung, dass es rechtsextreme Täter sein könnten, kursierte zwischenzeitlich bei den federführend in Bayern angesiedelten Ermittlungen. Dieses scheint nun bestätigt: „Bei der Durchsuchung der Zwickauer Wohnung wurde außerdem Beweismaterial sichergestellt, das auf eine rechtsextremistische Motivation der Mordtaten hindeutet“, heißt es in einer Erklärung der Bundesanwaltschaft.

Die Vorwürfe gegen Beate Z., die zunächst nur wegen des Verdachts auf Brandstiftung nach der Explosion ihrer Wohnung in Untersuchungshaft genommen worden war, lauten nun auf den Anfangsverdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Mord und versuchtem Mord sowie der schweren Brandstiftung.

Suche nach weiteren Tätern

Nach dem Tod ihrer Komplizen sucht die Bundesanwaltschaft aber nun auch noch nach möglichen weiteren Beteiligten aus der rechtsextremistischen Szene. Obwohl vom Trio, das 1998 nach dem Fund von Rohrbomben in seiner Wohnung abgetaucht war, nur noch Z. lebt, könnte das Verfahren somit noch weitere spektakuläre Wendungen nehmen. Längst steht auch die Frage im Raum, wieso die Gruppe dreizehn Jahre lang untergetaucht bleiben konnt.

Der Verfassungsschutz in Thüringen sah sich schon zu der Erklärung genötigt, dass es keine Anhaltspunkte für eine Unterstützung der drei durch staatliche Stellen gebe. Anlass war die Tatsache, dass der Kopf der Ex-Neonazi-Kameradschaft des Trios ein V-Mann war. Und noch eine Frage wird die Bundesanwaltschaft zu prüfen haben: Sollte sich der Verdacht gegen Beate Z. und ihre toten Kumpane bestätigen, haben die drei dann womöglich noch weitere Morde begangen?

Zum Thema:

Zum Thema Das Thüringer Innenministerium lässt umfassend das Vorleben des Trios prüfen, das mit dem Heilbronner Polizistinnenmord und den Döner-Morden in Verbindung steht. Er werde dafür eine Kommission einrichten, die unabhängig vom Verfassungsschutz ermittelt, kündigte Innenminister Jörg Geibert (CDU) am Freitag in Erfurt an. Auch die Verflechtungen der drei mit anderen Straftaten müssten überprüft werden. Geibert zeigte sich erleichtert, dass der Generalbundesanwalt „das Verfahren an sich gezogen“ habe.