Der aus Brandenburg stammende bayerische Richter Maik B. ist aus dem Justizdienst entlassen worden. Dies teilte die Pressestelle des Oberlandesgerichts (OLG) Bamberg am Dienstagabend mit. Zuvor hatte OLG-Präsident Clemens Lückemann den Proberichter zum Vorwurf eines rechtsradikalen Hintergrunds angehört. Im Zuge der Anhörung habe Mike B. schriftlich seine Entlassung aus dem Justizdienst beantragt. Dem sei mit sofortiger Wirkung entsprochen worden, hieß es.

Vor wenigen Tagen war zufällig bekannt geworden, dass der Jurist rund zehn Jahre lang vom Brandenburger Verfassungsschutz beobachtet wurde und dort bis zu seinem Umzug nach Bayern als wichtige Person der Neonazi-Musikszene mit guten Verbindungen im In- und Ausland galt. Der bayerische Verfassungsschutz war im Februar durch Potsdam über den Umzug des Extremisten informiert worden. Zu diesem Zeitpunkt war Maik B. jedoch bereits in Bayern Richter.

Doch das bayerische Justizministerium hätte vermutlich bei der Einstellung von Maik B. auch ohne Verfassungsschutz hellhörig werden können. Der Jurist, dem exzellente Noten nachgesagt werden, hatte sein Referendariat in Berlin absolviert. Das bestätigt das dort dafür zuständige Kammergericht. Ein darin vorgeschriebener Ausbildungsabschnitt ist die Arbeit bei einem Rechtsanwalt, den sich die Referendare in der Regel selbst aussuchen. Nach RUNDSCHAU-Recherchen soll Maik B. diesen Ausbildungsabschnitt in der Kanzlei von Wolfram Nahrath absolviert haben .

Nahrath war "Bundesführer" der 1994 verbotenen Neonazi-Organisation "Wiking-Jugend" und hat einen bundesweiten Ruf als Szene-Anwalt. Eine Anfrage der RUNDSCHAU zu einer Referendarstätigkeit von Maik B. in seiner Berliner Kanzlei wehrt er sofort ab: "Grundsätzlich rede ich nicht mit der Presse."

Mit der Bewerbung beim Justizministerium eines Landes erklären sich angehende Richter und Staatsanwälte damit einverstanden, dass ihre Referendariatsakte angefordert und eingesehen wird. Alle absolvierten Ausbildungsstellen sind darin vermerkt. Die von Maik B. absolvierte Rechtsanwaltsstation ist in München jedoch offenbar niemandem aufgefallen.