Die neokonservativen Ideologen, die gleich die ganze Welt verändern und ihr - wenn nötig mit militärischer Gewalt - die Werte des Westens bescheren wollten, haben kaum noch etwas zu sagen. Sie glauben ohnehin, nichts mit den aktuellen Problemen der Supermacht USA zu tun zu haben. Schuld seien "Inkompetenz" und "Missmanagement" in der Regierung von US-Präsident George W. Bush, so jüngst die Neokonservativen Kenneth Adelman und Richard Perle.
In der US-Hauptstadt dominiert die Suche nach einem parteiübergreifenden Dialog. Bush sucht die Nähe und den Rat moderat-konservativer Politiker, die bereits in den 90er-Jahren wichtige Positionen innehatten - wie dem neuen Pentagon-Chef Robert Gates oder Ex-Außenminister James Baker. Mit den demokratischen Kongress-Mehrheiten will Bush sich über Auswege aus dem Irak-Chaos, Antworten auf die Nuklearpläne des Irans und Nordkoreas sowie über Lösungen für Nahost verständigen.
Sicherheitsberater Steve Hadley und Außenamtssprecher Sean McCormack machten nur Stunden nach den "freundschaftlichen" Treffen zwischen Bush und der Führung der Demokraten deutlich, dass sich grundsätzlich an der US-Politik nichts ändern werde. Hadley glaubt, dass es trotz aller Kritik quer durch die Parteien am Irakkrieg auch zentrale Gemeinsamkeiten in Washington gibt. Den globalen Führungsanspruch der USA teilen so gut wie alle Demokraten und Republikaner. Auch dem Kampf gegen Terrorismus und Islamismus messen sie hohe Priorität bei. Und selbst die Bush-These, der Irakfeldzug müsse auf jeden Fall im US-Interesse "erfolgreich zu Ende gebracht werden", findet auch bei Kriegskritikern - wie dem demokratischen Parteichef Howard Dean oder Senatorin Hillary Clinton - prinzipiell Zustimmung. Nur über die konkreten Antworten auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und eine Perspektive für den Irak gibt es erhebliche Differenzen.
Jetzt, da die Neokonservativen mit ihrem wenig realistischen Optimismus über die Begeisterung der islamischen Welt für Demokratie und Freiheit vielfach diskreditiert sind, scheinen in Washington traditionell-konservative Sichtweisen die Oberhand zu gewinnen. Denn Bush hatte mit seinem hohen idealistischen Anspruch, westliche Werte zum Maßstab der Politik zu machen, ein nüchternes Prinzip der US-Außenpolitik im 20. Jahrhundert relativiert: das Primat der amerikanischen Interessen.