Er war von Präsident Donald Trump vorgeschlagen worden. Gorsuch soll in dieser Woche vereidigt werden. Er wird eine Vakanz am nominell neunköpfigen Supreme Court füllen, die nach dem Tod von Antonin Scalia im vergangenen Jahr entstanden war.

Bislang herrschte am Supreme Court ein Patt zwischen vier liberalen und vier konservativen, von republikanischen Präsidenten berufenen Richtern. Mit der Berufung von Gorsuch ändert sich die delikate Balance zugunsten der Konservativen.

Neil Gorsuch (49) war schon einmal am Supreme Court: Am Obersten Gericht der USA arbeitete er dem Richter Anthony Kennedy zu. Anders als der eher liberale Kennedy wird Gorsuchs Haltung aber als durchgängig konservativ beschrieben.

Darin ähnele er Antonin Scalia, dem Mann, dem er nachfolgen soll. Zwar entbehre Gorsuch dessen Feuer und Streitgewalt, er habe aber Scalias glasklaren Schreibstil.

Gorsuchs Lebenslauf weist mit Columbia und Harvard zwei US-Top-Universitäten auf, außerdem studierte er im britischen Oxford. Sein Wirken als Partner in einer Washingtoner Großkanzlei wird als sehr erfolgreich beschrieben. Heute ist Gorsuch Bundesrichter an einem Berufungsgericht in Denver (Colorado).

Gerüchte, wonach sich der jugendlich wirkende Mann im Alter von 39 die Haare grau gefärbt habe, um älter auszusehen, quittierte ein früherer Kanzleipartner einmal so: "Er wurde mit silbernem Haar geboren, außerdem mit einem unerschöpflichen Schatz an Churchill-Zitaten."

Gorsuch stammt aus Colorado, dort lebt er mit seiner Frau und zwei Töchtern. Er wird als ein Fan von Outdoor-Sport beschrieben, geht gerne Skifahren und Rudern und liebt das Fliegenfischen. Wie Scalia ist Gorsuch ein Vertreter des Originalismus. Nach dieser juristischen Lehrmeinung sollen die Worte der Verfassung so ausgelegt werden wie zur Zeit ihrer Entstehung. Werden Gesetze überprüft, geht es nur um deren Worte selbst, nicht um die Absicht oder Konsequenzen des Gesetzgebers oder um Interpretationen.

Im Februar hatte Gorsuch sich mit dem Präsidenten angelegt und dessen Äußerungen als "demoralisierend und entmutigend" für die Unabhängigkeit von Bundesgerichten bezeichnet. Trump hatte den Bundesrichter James Robart als "sogenannten Richter" verunglimpft, weil dieser eine für den Präsidenten ungünstige Entscheidung gegen dessen Einreise- und Flüchtlingsstopp getroffen hatte. Martin Bialecki