Nach einem schwierigen Start während der Inflation in der Weimarer Republik benutzte die NSDAP das neue Massenmedium für ihre Propaganda. Das Radio bleibt wichtig, obwohl das Internet das Medium verändert.

Herr Mühl-Benninghaus, wie wird der Hörfunk heute genutzt?
Radio ist ein "Nebenbei-Medium". Das heißt, man wird geweckt mit dem Radio, man steht auf und rasiert sich mit dem Radio, frühstückt mit den Kindern und nebenbei läuft das Radio. Im Auto läuft es auch. In den Morgenstunden wird Hörfunk heute am häufigsten gehört.

Das Internet bildet eine starke Konkurrenz für den Print-Journalismus. Hilft oder schadet das Netz dem Radio?
Die Bindung des Hörers an das Radio wird durch das Internet gestärkt. Beliebte Moderatoren werden auf den Seiten der Sender vorgestellt und unterschiedlichste Aktionen durchgeführt - auch im direkten Bezug zu den gehörten Sendungen. Wir haben vor allem nach 2000 eine ganz enge Verbindung zwischen Internet und den Radiostationen. Radio ist eben nicht mehr nur der klassische UKW-Empfänger, wie wir ihn bis in die 90er-Jahre kannten. Heute ist es ein Medium, dass auf den unterschiedlichsten Plattformen abrufbar ist.

Ist die Zukunft nicht aber auch durch Musikstreaming-Angebote wie Spotify oder Napster gefährdet, bei denen Nutzer zeitlich unabhängig hören, was sie wollen?
Das ist völlig richtig, aber Spotify setzt voraus, dass Sie genau wissen, was Sie jetzt hören wollen. Im Radio bekommen Sie, ohne dass Sie irgendetwas tun müssen, die Musikrichtung, für die sie sich erwärmen können. Und das, was Spotify eben nicht bringt, sind Servicedienste wie Nachrichten. Insofern glaube ich, dass das Radio mit diesem Mix an Wort- und Musikunterhaltung und an Serviceprodukten wichtig bleiben wird.

Mit Wolfgang Mühl-Benninghaus sprach Benno Schwingham mer