| 02:39 Uhr

Neben dem Kraftwerk Jänschwalde wird Lausitzer Strukturwandel angeschoben

Schnell wechseln die Verträge die Unterzeichner Holger Alder (l.), Michael Stein (2. v. r.) und Hans-Peter Dahm (r.). Professor Holger Seidlitz sammelte am Ende alle Papiere ein, um sie BTU-Präsident Jörg Steinbach vorlegen zu können.
Schnell wechseln die Verträge die Unterzeichner Holger Alder (l.), Michael Stein (2. v. r.) und Hans-Peter Dahm (r.). Professor Holger Seidlitz sammelte am Ende alle Papiere ein, um sie BTU-Präsident Jörg Steinbach vorlegen zu können. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Peitz. Während Helmar Rendez die Leitung der Lausitzer Kohlewirtschaft übernimmt, wird beim Anlagenbauer KSC am Fuße der Kühltürme des Kraftwerkes Jänschwalde ein Kooperationsvertrag für den Strukturwandel in der Lausitz unterzeichnet. Die KSC will mit zwei Berliner Firmen und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg Leichtbau-Gerätecontainer für Busse und Bahnen entwickeln. Annett Igel-Allzeit

Zur InnoTrans, der internationalen Messe für Verkehrstechnik im September 2018 in Berlin, soll das modulare Leichtbau-Gerätecontainer-System zum ersten Mal präsentiert werden. Und zwar so, dass Kunden aus den Bahn-, Personen- und Nutzfahrzeugbranchen aufhorchen. Das versicherten sich am Dienstag Holger Alder, Vorstand der Photon AG Berlin, Hans-Peter Dahm, Geschäftsführer der TGM Lightweight Solutions in Berlin, Michael Stein, Geschäftsführer der KSC Kraftwerks-Service Cottbus, und der BTU-Professor Dr. Holger Seidlitz.

Im Juni wurde das Konzept festgezurrt, Ende Juli der Antrag abgeschickt - eine Leistung bei so vielen Beteiligten, die ihre Termine abstimmen müssen. Aber die größte Leistung, so lobte Michael Stein, war die Bewilligung des Pilotprojektes durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung bereits Ende August. "Das zeigt doch, dass auch dort der Strukturwandel der Lausitz gewollt ist", so Stein. 1,8 Millionen Euro sollen in das Projekt fließen.

Leichtbau-Gerätecontainer werden im Luftverkehr und im Schiffbau ebenso gebraucht wie auf Schienen und Straßen. Die Container schützen zum Beispiel Batterien, Klimaanlagen, Bremssteuerungen, Transformatoren, Gastanks. Sie müssen Steinschläge aushalten, bei Crashs halten, dürfen aber, wie Michael Stein erklärte, nicht viel wiegen.

Mehr als Flugzeugbauer müssen die Unternehmen, die für Schiene und Straße und vor allem in viel höheren Stückzahlen produzieren, auf die Kosten schauen. Aluminium und Schwarzstahl, so Alder, seien seit drei Jahrzehnten die gängigen Materialien für die Container, die so wichtig sind für die Sicherheit. Doch die massive Ausführung wirkt sich negativ auf die Schwerpunktlage, damit auf das Fahrverhalten und auf die Betriebskosten der Bahnen, der Busse aus. Mit den Wissenschaftlern suchen die Unternehmen deshalb nach neuen Werkstoffen, nach neuen Kombinationen von Metallen und Kunststoffen, nach neuen Bauweisen, nach neuen Fügeprozessen. Und statt mehrere Sonderanfertigungen zu bieten, wird auf ein modulares System gesetzt, sodass einzelne Bausteine standardmäßig hergestellt und bei Bedarf individuell zusammengesetzt werden können. Schubfelder aus dem Konstruktionsprinzip der Luftfahrt sollen den effizienteren Materialeinsatz und eine lastengerechtere Konstruktion sichern.

Während an der BTU unter der Stiftungsjuniorprofessur für Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen zur Konstruktion, Auslegung und Integration der Mehrschichtverbunde geforscht wird, wird am Lehrstuhl für Füge- und Schweißtechnik nach Prüfkonzepten für die Belastbarkeit der Container gesucht. Mindestens fünf, vielleicht sogar zehn wissenschaftliche Arbeiten, darunter auch Promotionen, werden entstehen. Hinzu kommen Praktika für BTU-Studenten. "Auch Werksstudenten der TGM", so Hans-Peter Dahm, "werden einbezogen."

Der Anteil der TGM als Ingenieurberatungsunternehmen liegt bei der Analyse und Gewichtsoptimierung des Schubfeldsystems der neuen Leichtbau-Gerätecontainer. Der Cottbuser Anlagenbauer KSC dagegen wird sich um die Verbindungsknoten und klebetechnischen Fügekonzepte kümmern, die Photon AG um das Laserstrahlfügen. Geht das Pilotprojekt auf, kann es Arbeitsplätze für die Lausitz und den Berliner Raum bringen.