„Würden wir normale
Beregnungsanlagen einsetzen, wären sowohl Band als auch die darunter befindliche
Aufstellfläche klatschnass.“
 Jens Höhna, Vattenfall Europe Mining AG


Es ist die zweite Anlage ihrer Art in der Lausitz. Bereits im vergangenen Jahr hat eine vergleichbare Aktion am Rande Weißwassers (Kreis Görlitz) begonnen.

Es ist ungemütlich am Aussichtspunkt, wenige Meter vor dem Ortseingang von Grießen. Der Wind peitscht über das flache Land. In der Ferne schrauben sich die Rauchschwaden der Kühltürme des Kraftwerks schräg in den Himmel. Dazwischen ist der Tagebau, eines der Gesichter dieser Region. In das Pfeifen des Windes mischt sich ein permanentes Quietschen.
Nur wenige Hundert Meter von der Grubenkante entfernt arbeitet sich die Abraumförderbrücke des Tagebaus durch den Lausitzer Sand und legt die begehrte Braunkohle frei. In den kommenden Jahren wird der Tagebau parallel zum Dorf wandern, bis er weiter nach Nordosten zieht, bis kurz vor Taubendorf (Spree-Neiße). Das Rauschen, die Töne des Funks und der Staub werden die Grießener in den kommenden Jahren Tag und Nacht begleiten. Das Dorf, das zur Gemeinde Jänschwalde (Amt Peitz) gehört, wird für eine gewisse Zeit mit dem Tagebau leben. „Eine Zunahme der Beeinflussung ist nicht zu leugnen“ , sagt Jens Höhna, Fachverantwortlicher für das Umweltmanagement bei der Vattenfall Europe Mining AG.
Um den Staub, der von der Grube aufgewirbelt wird, weiter einzudämmen, hat Vattenfall Mitte Juli Maßnahmen ergriffen. Auf der obersten Ebene des Tagebaus, in fast 30 Metern Tiefe, stehen 20 Geräte im Abstand von je 15 Metern aufgereiht – fast wie an einer Perlenschnur. Äußerlich erinnern sie an Ventilatoren. Sie funktionieren auch ähnlich, jedoch mit einem Unterschied. Sie blasen zur Luft auch einen feinen Sprühnebel aus Trinkwasser. „Das Wasser stammt vom Gubener Wasser- und Abwasserzweckverband“ , erzählt Höhna, „wir benutzen dazu nicht das Wasser, das wir im Tagebau selbst heben.“ Denn die Nebelwerfer haben derart feine Düsen, dass Wasser, in dem Partikel von mehr als zehn Mikrometer Größe enthalten sind, die mit einem Laser gebohrten Düsen verstopfen könnten. Jede Sprühkanone verfügt über 30 Düsen. Jede von ihnen versprüht in der Stunde 4,8 Liter Wasser mit einem Druck von bis zu 50 bar.
Durch diese „Dauerbenebelung“ soll gewährleistet werden, dass der Staub, der bei der Förderung von Abraum und Kohle entsteht, das Gelände nicht verlässt. Bevor er über die Böschungskante Richtung Ortschaft geweht wird, soll er durch den feinen Nebel gebunden werden und zu Boden sinken. Dabei wird die Bandanlage, die zwischen Nebelkanonen und Tagebaurand steht, nur minimal feucht.
„Würden wir normale Beregnungsanlagen einsetzen, wären sowohl Band als auch die darunter befindliche Aufstellfläche klatschnass“ , sagt Höhna. Mit der Sprühvariante würde das Wasser-Staub-Gemisch umgehend trocknen.
Zurzeit läuft die Anlage im Tagebau Jänschwalde noch auf Probe. Einige Feinabstimmungen seien noch zu erledigen, so Höhna, bis die Nebelwerfer in den Regelbetrieb übergehen. Dann sollen sie von sechs bis 22 Uhr ihre Arbeit verrichten. Für den Fall, dass der Wind Richtung Ortslage weht, bleiben die Nebelwerfer aus, ebenso wie bei einer Luftfeuchtigkeit von mehr als 95 Prozent. „Nachts schalten wir sie aus, weil der Wind erfahrungsgemäß nicht so stark weht wie am Tag“ , so der Vattenfall-Verantwortliche.
Die Nebelwerfer sind jedoch nicht die einzige Sicherungsmaßnahme, die Vattenfall für Grießen bereit hält. Eine acht Meter hohe und einen Kilometer lange Wand sowie eine ebenso lange Schutzbepflanzung sollen bestmöglichen Lärmschutz garantieren. Um die Staubimmissionen in Grenzen zu halten, werde zudem die Vorfeldberäumung – das Roden der Flächen, die der Tagebau noch überbaggert – so lange wie möglich hinausgezögert. Auch die schnelle Begrünung der Kippenflächen soll helfen, möglichst wenig Staub aufwirbeln zu lassen.
In Gesprächen mit Vattenfall würden zudem die Grießener Anwohner über die jeweilige Entwicklung in ihrer Nachbarschaft informiert. Jedoch gibt sich auch Jens Höhna keiner Illusion hin, dass der Tagebau dadurch nahezu spurlos an Grießen vorbeigehen könnte.