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Nazi-Raubgut in Bautzens Bibliothek

Forscher Robert Langer hat die 500 Bücher entdeckt.
Forscher Robert Langer hat die 500 Bücher entdeckt. FOTO: bob
Bautzen. Einen spektakulären Fund hat die Stadt Bautzen am Montag vorgestellt. Eine Büchersammlung der jüdischen Familie Tietz, Gründer des Hertie-Konzerns, ist im Magazin der Stadtbibliothek aufgetaucht. Bodo Baumert

Es ist das erste Mal, dass ein solcher Fund in einer öffentlichen Bibliothek gemacht wurde. Rund 500 Bücher hat der Wissenschaftler Robert Langer bisher entdeckt: Sammlerexemplare, Kupferstiche, Romane und vieles mehr. Ob noch mehr aus der Sammlung, die 1944 für 20 000 Reichsmark weit unter Wert versteigert wurde, in Bautzener Regalen schlummert, soll jetzt erforscht werden.

Einst umfasste die Sammlung 4500 Exemplare. Ein Schätzer im Auftrag des Oberfinanzpräsidiums bezeichnete sie 1943 als "eine der schönsten", die er je geprüft hatte. Bautzens Bürgermeister Alexander Ahrens erklärt nun, Ziel der Stadt sei es, die Bücher den Erben der Familie zurückzugeben.

Für Uwe Hartmann vom Deutschen Zentrum Kulturgutverlust ist die Bautzener Forschung "beispielgebend". Er geht davon aus, dass in vielen Stadt- und Kreisbibliotheken noch Bücherschätze schlummern, die erforscht werden müssten. Die Zahl der Bücher, die jüdischen und anderen Verfolgten der Nazi-Diktatur geraubt wurden, gehe in die Millionen. Bisher wurde aber nur an Uni- oder Staatsbibliotheken danach geforscht. In Sachsen-Anhalt werde nun ein Pilotprojekt aufgestellt, um wie in Bautzen auch an öffentlichen Bibliotheken nach Raubgut der Nazizeit zu suchen, sagt Uwe Hartmann. Themen des Tages Seite 3