Eine davon erinnert an die Opfer der NS-Militärjustiz in Torgau, die vor 1945 in der früheren Festung inhaftiert waren und zu Tode kamen; die andere an Insassen zweier sowjetischer Speziallager, die nach 1945 hier litten.

Im Oktober 2007 fertiggestellt
Zwischen den Tafeln steht eine Buchenhecke, die beide Seiten der Gedenkstätte voneinander scheiden soll. Zwar wird der im Oktober 2007 fertiggestellte Erinnerungsort nun wöchentlich gepflegt. Weil aber noch strittig ist, ob die Trennung zwischen beiden Tafeln ausreicht, ist er auch elf Monate nach Abschluss der Bauarbeiten noch nicht offiziell eröffnet.
Einspruch meldet vor allem Ludwig Baumann an. Der 86-Jährige wurde, weil er 1942 aus Hitlers Armee desertieren wollte, von NS-Militärrichtern zum Tode verurteilt und war in Fort Zinna inhaftiert. Heute leitet Baumann, dessen Todesstrafe später in eine lange Haftstrafe umgewandelt wurde, die Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz. Für deren Mitglieder ist Torgau, wo ab 1943 das Reichskriegsgericht saß und mehr als 60 000 Menschen eingesperrt waren, der zentrale Gedenkort. Bisher aber, sagt Baumann, gab es „nicht einmal einen Platz, wo wir Blumen ablegen konnten“ .
Die neue Anlage am Fort Zinna soll das ändern, doch Baumann ist unzufrieden. Hintergrund dafür ist vor allem ihr Doppelcharakter. Es gibt zwei Gedenksteine – erinnert wird auch an die Häftlinge der sowjetischen Speziallager. Unter diesen befanden sich, wie eine der Schautafeln informiert, auch „Menschen, die persönlich Verantwortung für Verbrechen während der Zeit des Nationalsozialismus trugen“ . Nach Überzeugung Baumanns gehören dazu auch Kriegsrichter, die Urteile gegen seine Kameraden fällten. Daher bedürfe es einer „massiven Trennung“ zwischen den Gedenkorten.
Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Trägerin der Torgauer Gedenkstätte, verteidigt die jetzt gefundene Lösung, beide Anlagenteile durch eine Hecke zu trennen. Die Pflanzung „grenzt eindeutig ab“ , sagt Sachsens Wissenschaftsministerin und Vorsitzende des Stiftungsrates Eva-Maria Stange (SPD). Es gebe zudem „derzeit keine Nachweise“ , dass NS-Militärrichter nach 1945 in Fort Zinna inhaftiert gewesen seien. Aber das sei auch nicht auszuschließen. Stange betont, es solle beider Opfergruppen gedacht werden: „Wir haben nicht nur die Zeit vor 1945, sondern auch die nach 1945.“

„Bewusst verschoben“
Stange will die strittigen Fragen mit der Bundesvereinigung klären. Deshalb habe man von einer offiziellen Einweihung des Erinnerungsortes bislang abgesehen: Man habe diese „bewusst verschoben, um die Gedenkstätte nicht im Konflikt mit der Bundesvereinigung eröffnen zu müssen“ .