Ein schwarzes Banner mit dem weißen Schriftzug „Juden“ , dem Dynamo-Symbol in der Mitte und einem Judenstern, das aus dem Cottbuser Energie-Fanblock hochgehalten wurde, erfüllt nach Auffassung der Ermittler den Tatbestand der Volksverhetzung.
Dass mit der Aufschrift vermutlich die Mannschaft von Dynamo Dresden gemeint war, sei dabei nicht entscheidend, so der Dresdner Oberstaatsanwalt Jürgen Schär: „Die Bezeichnung Juden wurde als Synonym für etwas Minderwertiges und deshalb als Mittel zur Beschimpfung verwendet. Das ist Volksverhetzung.“ Die Polizei sei jetzt angewiesen, die Videoaufzeichnungen aus dem Stadion auszuwerten, um diejenigen zu identifizieren, die das Banner entfaltet und getragen haben.
Beim Fußballverein Energie Cottbus sind inzwischen zwei Namen von mutmaßlich beteiligten Cottbusern bekannt. Gestern Nachmittag beriet der Verein, ohne jedoch eine Entscheidung zu treffen. „Wir wollen erst noch weitere Zeugen fragen, um ganz sicher zu sein, dass sie dabei waren“ , so Vereinssprecher Ronny Gersch. Sollte sich der Verdacht bestätigen, bekommen beide Männer Stadionverbot bei Energie.

Videoclip gegen Neonazis
Gersch bestätigte der RUNDSCHAU, dass beide zu einer Gruppe von etwa 30 bis 40 Leuten gehören, die augenscheinlich der rechtsextremistischen Szene angehören, regelmäßig ins Stadion kommen und dort zusammen stehen. „Solange die aber nicht so etwas machen wie jetzt in Dresden, können wir nichts gegen sie unternehmen“ , so der Vereinssprecher. „Unsere Möglichkeiten sind da sehr begrenzt.“
Eine Konsequenz hat der Verein jedoch schon gezogen. Bei Heimspielen sollen auf der Videowand des Stadions im Vorprogramm jetzt wieder Spots gegen Rechtsextremismus laufen, kündigte er an. Der Verein hofft darauf, dass weitere Aktionen gegen Rechtsradikale im Stadion aus den Reihen der Fanclubs vorgeschlagen werden. „Wir wollen da nichts vorgeben, aber wir werden jeden praktikablen Vorschlag unterstützen“ , verspricht Gersch.

Vorbereitete Aktion
Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) bestätigt, dass sich die rechtsradikale und die gewaltbereite Fußball-Szene in der Region zum Teil überlappen. „Wir wissen jedoch nicht, wie groß diese Überschneidung ist und ob der Fußball zielgerichtet durch Rechtsextremisten unterwandert wird“ , sagt Schönbohm. Da die rechtsradikale Szene in der Region nicht fest strukturiert ist, sei es schwer, dazu konkretere Aussagen zu treffen. Das Banner mit dem "Juden"-Schriftzug in Dresden sei auf jeden Fall eine gut vorbereitete Aktion gewesen und nichts Spontanes. Bilder wie die aus Dresden hätten eine verheerende Wirkung in der Öffentlichkeit. Manche Vereine seien sich vielleicht noch nicht bewusst, welche Kraft von solch einem Plakat aus geht. „Ich habe schon Sorge, dass so etwas auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft passieren könnte“ , sagt Schönbohm.
Deshalb müsse jetzt ver stärkt mit den Vereinen, Fanclubs und auch mit dem Fußball-Landesverband geredet werden. „Natürlich muss auch die Polizei präventiv tätig werden.“ Jürgen Lüth, Sicherheitsberater Sport im Brandenburger Innenministerium und früherer Polizeipräsident in Cottbus, kümmere sich gerade in Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft um eine enge Abstimmung zwischen Polizei, Vereinen und Fanclubs.