Noch vor seiner Ankunft nahm ihn die Polizei fest, wie russische Medien berichteten. Anschließend wurden demnach Dutzende Demonstranten abgeführt. "Hausarrest habe ich, aber heute will ich unbedingt bei Euch sein, deswegen fahre ich", schrieb Nawalny zuvor auf Twitter. Kurz vor seiner Festnahme sagte er zu Journalisten: "Einfach hingehen und nicht selbst weggehen, das ist mein ganzer Plan."

Unter Protest von Anhängern hatte ein Moskauer Gericht den bekannten Oppositionspolitiker am Morgen verurteilt. Ihm und seinem Bruder Oleg wird vorgeworfen, bei einer Firma Geld unterschlagen und über ein Firmengeflecht legalisiert zu haben. "Von allen möglichen Urteilssprüchen war dies heute der niederträchtigste", kritisierte Nawalny am Dienstag im Kurznachrichtendienst Twitter. Das Urteil fiel deutlich milder aus als von Beobachtern erwartet: Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Straflager für den 38-Jährigen gefordert. Sein Bruder Oleg Nawalny muss für dreieinhalb Jahre ins Straflager und wurde noch im Gericht verhaftet.

Nawalnys Lage ändert sich durch das Urteil nicht. Bereits 2013 war er in einem anderen Fall zu fünf Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Seit 2013 steht er wegen Verstößen gegen Bewährungsauflagen unter Hausarrest. Nawalnys Anwalt Wadim Kobsew wie auch das Gericht bestätigten, dass die neue und die alte Strafe getrennt voneinander zu sehen sind. Die Verteidigung legte Berufung gegen das Urteil ein. Die Brüder argumentieren, der Prozess sei politisch motiviert. Nawalny forderte die Richterin Berichten zufolge auf, seinen Bruder nicht zu verhaften, wenn eigentlich er bestraft werden solle. "Der Schuldspruch (...) scheint politisch motiviert", sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel.

Ein ausführlicher Bericht

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