Die Krise der Sozialdemokraten in der Hansestadt beendet der designierte Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl 2008 mit einem Vergleich: Es sei ein "klassischer Familienkrach" gewesen, der die Partei seit Monaten am Boden hält - und den gesamten Landesvorstand bereits zum Rücktritt zwang. Und der frühere Kulturstaatsminister fügt hinzu: "Jeder, der in einer Familie hin und wieder einen Krach erlebt, der weiß, das gehört dazu, sonst ist die Familie tot." Das ist Labsal für die Partei. Kein Wort über das Entsetzen des noch amtierenden SPD-Vorsitzenden Mathias Petersen, als dieser am Montag das Nein von Altbürgermeister Henning Voscherau zu einer Spitzenkandidatur verlesen musste. Für den aus Berlin angereisten SPD-Generalsekretär Hubertus Heil ist es einfach ein guter Tag. 2008 gelte es bei mehreren Wahlen Land zurückzugewinnen.
Die SPD hat mit ihrem überraschenden Personalcoup rund elf Monate vor der Wahl den Kampf ums Rathaus eröffnet. Auch wenn der Publizist Naumann als Herausforderer von Bürgermeister Ole von Beust offiziell erst von einem Parteitag am 24. März bestätigt werden muss, geht er gleich in die Vollen: "11.30 Uhr", sagt Naumann auf die Frage, ab wann er seiner Partei ganz zur Verfügungen stehen werde. Und er hat sich bereits prominente Hilfe für den Wahlkampf gesichert. Altkanzler Gerhard Schröder (SPD), der ihn 1999 als Staatsminister nach Berlin geholt hatte, werde ihm zur Seite stehen. Die ersten Fragen der bisherigen Kollegen zielen gleich auf Naumanns politisches Programm. Den möglichen Teilverkauf der Hafengesellschaft HHLA nennt er "fragwürdig", begrüßt den Bau der Elbphilharmonie, beklagt den Zustand öffentlicher Grünanlagen und fordert größere Anstrengungen bei der Ansiedlung von Großbetrieben. Schlagfertig und aufgeräumt präsentiert sich der Spitzenkandidat.
Gleichwohl hat Naumann ein Problem: "Ich bin kein Parteiarbeiter. Ich muss es aber werden." Über mögliche Koalitionen der SPD will er sich zunächst nicht konkret äußern, sagt es dann aber doch: "Was mir lieb ist, können Sie sich vorstellen, die Grünen."
(dpa/cd)