Von einer "rechten Stadtguerilla" hatte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) gesprochen, als nach dem Brandanschlag auf eine Sporthalle in Nauen eine Gruppe von Neonazis dingfest gemacht wurde.

In der Halle sollten Flüchtlinge untergebracht werden. Im Prozess präsentierten sich die sechs Angeklagten aus der Kleinstadt im Havelland eher als weinerlicher Haufen. "Im Suff" will der eine ein Dixi-Klo auf der Baustelle einer Flüchtlingsunterkunft angezündet, "kurz vor dem Filmriss" ein anderer Farbbeutel gegen ein Parteibüro der Linken geschleudert haben. Politische Motive streiten die Angeklagten ab. Und der als Rädelsführer angeklagte NPD-Politiker Maik Schneider verniedlicht den verheerenden Brandanschlag auf die geplante Flüchtlingsunterkunft als einen "Unfall".

Bei ihren Aussagen zu den Vorbereitungen sind die meisten Angeklagten dann aber sehr präzise. "Mit der Halle muss was passieren", soll Schneider im Sommer gesagt haben. Bei mehreren konspirativen Treffen sei darüber gesprochen worden, sagen mehrere Angeklagte aus.

Für die Absprachen wurde eine geschlossene Chat-Gruppe eingerichtet. Bei einem Autohändler wurden Autoreifen und Paletten besorgt, die in der Nacht zum 25. August von Mitgliedern der Gruppe vor dem Eingang der Sporthalle aufgestapelt worden seien; zusammen mit Öl und Benzin in Fässern und einer Propangas-Flasche. Riesige Feuerbälle aus der Gasflasche setzten damals das Dach der Halle in Brand.

Drei Angeklagte sagen aus, sie seien von Schneider angewiesen worden, "Schmiere" zu stehen. Einer sollte bei Fahrten durch die Stadt nach Streifenwagen der Polizei Ausschau halten. Generalstabsmäßig sei dies alles von Schneider angewiesen worden, sagen zwei Mitangeklagte aus.

Und der mutmaßliche Rädelsführer? Schneider hält zum Schluss des Verhandlungstages eine über lange Strecken wirre Verteidigungsrede. Zwar gibt er zu, die Reifen und Paletten in Brand gesetzt zu haben. "Ich wollte aber niemals die Halle anzünden", beteuerte der 29-Jährige. "Der Ruß sollte die Wände schwarz färben. Mit diesem kriminellen Unfug wollte ich ein Zeichen setzen."

Schneider verwies darauf, dass die Sporthalle schließlich "Volkseigentum" sei, die er angeblich für die Schüler des Oberstufenzentrums sichern wollte.

Dann redete er sogar von Sorge um die Flüchtlinge als Ansporn für seine Tat. "Ich bin überzeugt, dass man Menschen nicht über Monate oder Jahre in solche Hallen pferchen sollte", meinte er.

Die Richter verfolgten die knapp einstündige Rede mit ungläubigen Mienen. "Glauben Sie eigentlich den Stuss, den Sie da erzählen?", fuhr ein Schöffe den NPD-Politiker an.

Der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter bemühte sich noch, Schneider zu den weiteren Anklagepunkten zu befragen - die Bildung einer Keimzellen-Vereinigung, einen Brandanschlag auf das Auto eines Polen und die massive Störung einer Stadtverordnetenversammlung in Nauen. "Ganz kurz - ich bin unschuldig!", antwortete Schneider.

Die Wahrheit will das Gericht nun an zehn weiteren Verhandlungstagen bis Ende Januar herausfinden. Schneiders Partei hat aber angeblich ihr Urteil schon gefällt. Die Partei werde Schneider und zwei inhaftierte Mitangeklagte ausschließen, kündigte ein NPD-Vertreter aus dem havelländischen Brieselang am Rande des Prozesses an. "Wir wollten den Prozess noch abwarten, aber die Aussagen heute waren ja eindeutig", sagte er.