Die Lausitz leidet noch immer unter den Auswirkungen des extremen Trockenjahres 2018. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sind an der Station Cottbus zwischen Januar und Dezember 2018 lediglich 429 Liter Niederschlag je Quadratmeter gefallen. In Görlitz waren es nur 392 Liter. Für die Region gelten aber Jahresmengen zwischen 550 und 660 Liter als normal. Von der Dürre, die sich von April bis weit in den November 2018 erstreckte, sind auch die Moore betroffen.

Beispiel Lieberoser Heide: In dieser rund 27 000 Hektar großen Gegend, rund 20 bis 30 Kilometer nördlich von Cottbus und 90 Kilometer südöstlich von Berlin gelegen, gibt es rund 40 Moore. Insbesondere im westlichen Teil, also unweit von Straupitz und Byhlen (Dahme-Spreewald), werden deren Wasserstände seit zehn Jahren beobachtet. „Bereits im Herbst 2018 wurden dort erhebliche Wasserstandsverluste registriert, die über die normalen Schwankungen hinausgehen“, sagt Thomas Frey vom Landesamt für Umwelt (LfU). Erschwerend hinzu kommt, dass zwei Moore auf den Flächen der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg von den Waldbränden des Jahres 2018 betroffen waren. Allerdings ist es laut LfU nicht zu tiefen Schwelbränden gekommen. „Im Gusteluch nordöstlich von Byhlen (Dahme-Spreewald) wurde rund vier Wochen nach dem Feuer erster neuer Pflanzenwuchs beobachtet“, berichtet Thomas Frey. Quasi ein Zeichen der Hoffnung.

Ob die Lieberoser-Heide-Moore indes durch die Dürre einen dauerhaften Schaden genommen haben, werde sich erst bei der bevorstehenden Frühjahrskontrolle herausstellen. „Möglich ist auch, dass sich die Feuchtgebiete inzwischen wieder erholt haben und deren Wasserdefizit über den Winter ausgeglichen werden konnte“, sagt Frey weiter. Konkrete Zahlen nennt der Experte nicht. Mit diesen sei nicht vor Ostern zu rechnen. Immerhin: Laut DWD waren der vergangene Dezember und Januar erheblich zu nass, der Februar dagegen zu trocken. Gerade die Wintermonate besitzen bei der Neubildung von Grundwasser eine maßgebliche Bedeutung.

In den vergangenen Jahren wurde in der Lieberoser Heide viel in den Erhalt der Moore investiert. Insbesondere durch das Verschließen von Entwässerungsgräben stiegen die Wasserstände wieder an. Ob die Feuchtgebiete von diesen Maßnahmen auch während der 2018er-Dürre profitiert haben, wird erst die Zukunft zeigen. „In Bezug auf Waldmoore, in denen Entwässerungsgräben verschlossen wurden, kann davon ausgegangen werden, dass diese Gebiete die Trockenheit besser abfedern“, erklärt Thomas Frey. Nicht zuletzt sei der Dürre ein niederschlagsreiches Jahr 2017 vorangegangen. Damals wurde das Jahresmittel weit übertroffen. Inzwischen seien erste Untersuchungen in den Räumen Doberburg, Klein Liebitz (beide Dahme-Spreewald) sowie Staakow (Spree-Neiße) angelaufen. Dort werde die Pflanzenentwicklung an den Moorgrabenstauen seit 2018 beobachtet. Eine Bilanz könne aber erst nach mehreren Jahren gezogen werden.

Auch im rund 20 Hektar großen Reuthener Moor (Spree-Neiße) hat es bereits vor knapp zehn Jahren entsprechende Grabenverfüllungen gegeben. Darüber hinaus wurden zahlreiche Kiefern in unmittelbarer Umgebung entnommen, da diese dem Moorkörper massiv Wasser entziehen. Allerdings führt die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg als Eigentümerin des Moores keine Beobachtungen der Wasserstände durch. „Daher können wir keine Aussagen treffen, wie das Moor den Sommer 2018 verkraftet hat“, bedauert Marc Thiele von der Stiftung.

Auch für das Dubringer Moor bei Wittichenau (Landkreis Bautzen) gibt es noch keine aktuellen Zahlen. „Wenn Trockenheit herrscht, leiden die Moore immer. Die Folgen sind aber nicht sofort erkennbar. Einen einzelnen Dürresommer übersteht ein Moor in der Regel folgenlos“, erklärt Hagen Rothmann, Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe Wittichenau, die sich um das Dubringer Moor kümmert. Problematisch seien die im Gebiet reichlich vorhandenen Waldgräben als Entwässerungsfaktor.

Nach Angaben von Frank Meyer vom sächsischen Umweltministerium haben die bisherigen Schutzmaßnahmen in den Mooren des Freistaates die Folgen der Dürre abgemildert. „Ein gutes Beispiel dafür ist das Milkeler Moor in der Oberlausitz. Dort wurden im Herbst 2014 Entwässerungsgräben verschlossen. Seitdem ist der Wasserstand sichtbar angestiegen. Bis 2014 trocknete das Gebiet in Dürrephasen aus, dagegen führte es 2018 ganzjährig Wasser – ein Erfolg der Renaturierung“, betont Meyer. Mehr noch: „Für Sachsen insgesamt wird eingeschätzt, dass die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Moore durch erfolgreiche Revitalisierung geschädigter Moore voll kompensiert werden können.“ Tatsächlich spielen die Feuchtgebiete als Kohlenstoffsenken eine enorme Bedeutung. Allerdings können nur nasse Moore dem Stoffkreislauf Kohlenstoff entziehen. Dadurch wird die Emission von klimarelevanten Substanzen wie Lachgas und Kohlendioxid vermindert. Oder wie es Thomas Frey formuliert: „Nasse Moore sind gut fürs Klima.“