(dpa/roe) Heftige Stürme, extreme Trockenheit und Borkenkäfer haben Sachsens Wäldern in den vergangenen Monaten zugesetzt wie nie. „Wir können von einer Jahrhundertkatastrophe sprechen“, sagte der Vorsitzende des Sächsischen Waldbesitzerverbandes, Andreas Bitter. So geballt und folgenschwer sei der sächsische Wald bisher kaum getroffen worden, so Bitter.

Im Oktober 2017 hatte Sturm „Herwart“ vor allem das Erzgebirge getroffen, im Januar hinterließ „Friederike“ dann massive Schäden in der Oberlausitz, im Elbland und in Nordsachsen. Im heißen und trockenen Sommer vermehrten sich Schädlinge wie der Borkenkäfer massiv und fanden in dem ohnehin geschädigten Holz reichlich Nahrung. Waldbesitzer und Forstwirte mussten mehr Holz mit minderer Qualität aus den Wäldern holen – die Kosten für die Aufarbeitung stiegen. Zugleich gingen die Preise auf dem Holzmarkt wegen des Überangebotes in den Keller. Laut Verband sanken sie unter 60 Euro der Festmeter, vor den Stürmen waren es etwa 90 Euro. „Es ist derzeit kaum möglich, Holz zu verkaufen“, beklagte Bitter. Viele Waldbesitzer fühlten sich mit der Situation überfordert und seien auf Hilfe angewiesen.

Der Sächsische Waldbesitzerverband vertritt rund 85 000 kommunale, private und kirchliche Waldbesitzer in Sachsen. Nach den Angaben sind etwa 50 Prozent der Waldfläche Privat- und Körperschaftswälder, rund 38 Prozent gehören dem Land und werden durch den Sachsenforst bewirtschaftet.

Allein die Stürme haben einen Schaden von mindestens 80 Millionen Euro verursacht, schätzt der Waldbesitzerverband. Hinzu kommen rund 20 Millionen Schaden durch die Schädlinge und weitere 8,5 Millionen Euro durch den Verlust von Jungpflanzen aufgrund der Trockenheit. Der aktuelle Schaden summiert sich so den Angaben nach auf rund 110 Millionen Euro.

Die Waldbesitzer fordern deshalb Unterstützung vom Freistaat Sachsen, vor allem im Kampf gegen Schädlinge. Sie wollen 15 Euro pro Festmeter Schadholz. „Damit gerade kleine Forstbetriebe finanzielle Mittel zur Verfügung haben, um die Aufarbeitung in Angriff zu nehmen“, erläuterte Bitter. Die Forderung liege dem Umweltministerium vor, dort wisse man um die dramatische Lage. „Viele Waldeigentümer drohen an den aktuellen Herausforderungen zu verzweifeln“, so Bitter.

Die schwarz-rote Koalition im Landtag hatte sich Mitte der Woche auf den Doppelhaushalt verständigt und dabei auch einen Fonds von 50 Millionen Euro für sturmbedingte Schäden im Wald in Aussicht gestellt. Im Kern geht es darum, das Bruchholz schnell aus den Wäldern zu holen, damit die Schäden durch Borkenkäfer überschaubar bleiben. Der Haushalt muss noch vom Landtag beschlossen werden.

Es müsse vor allem darum gehen, betroffene Flächen mit stabilen Baumarten aufzuforsten, so das Umweltministerium. Ziel seien mehr robuste Mischwälder und nicht die für Schädlinge anfälligen Fichtenwälder. Sachsen hat den Waldumbau in diesem Jahr mit drei Millionen Euro gefördert – doppelt so viel wie im vergangenen Jahr.

Sturmschäden, Schädlingsplage und geringere Erträge beim Holzverkauf schlagen auch auf die Kasse des landeseigenen Sachsenforstes durch. „Das Jahr 2018 ist für Sachsenforst kein normales Wirtschaftsjahr“, sagte Sprecher Renke Coordes. Es gebe Umsatzverluste im einstelligen Millionenbereich. Problematischer seien aber die unerwartet hohen Kosten, um das Sturmholz zu bergen und die Käferschäden im Staatswald einzudämmen. Der Sachsenforst rechnet allein dafür mit einem „niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“.

Weil der Sachsenforst weniger Geld erwirtschaftet, fehlen in diesem Jahr Mittel für den Waldumbau, Schutzgebiete oder waldpädagogische Angebote. Deshalb wurden beim Finanzministerium zusätzliche Haushaltsmittel angefordert. „Eine Zahlungsunfähigkeit befürchten wir aber nicht“, sagte Coordes. Allerdings seien durch die sich rasant vermehrenden Borkenkäfer in den nächsten Jahren weitere Schäden vor allem im Fichtenwald zu erwarten.