"Nicht jeder Nutztierriss kann und wird dazu führen, dass wir Wölfe aus dem Verkehr ziehen", machte Schilde deutlich. "Wir können auch keine Obergrenzen festlegen, weil sich ein günstiger Erhaltungszustand einer Art ganz anders definiert." Schilde betonte, dass das Wolfs- und Herdenschutz-Informationszentrum in Groß Schönebeck einen Förderbescheid in Höhe von 970 000 Euro erhalten habe und 2018 seine Arbeit aufnehmen könne. In den vergangenen zehn Jahren habe Brandenburg zudem 810 000 Euro für Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Wolf und 155 000 Euro Entschädigung für gerissene Tiere ausgegeben.

Doch die Argumente der Staatssekretärin wurden schnell zur Nebensache. Naturschützer und Landnutzer warfen sich Beleidigungen an den Kopf, mehr als einmal stand die Veranstaltung vorm Abbruch. Wozu auch eine unprofessionelle Vorbereitung seitens des Ministeriums beitrug: Denn die Plenumsteilnehmer erhielten die Tagesordnung erst zwei Tage vor Veranstaltungsbeginn. Und dann projizierten Mitarbeiter des Ministeriums eine Präsentation mit den seit der letzten Sitzung zusammengekommenen Argumenten der Verbände und Organisationen als Gesprächsgrundlage an die Wand - doch eine neutrale Diskussion war nicht mehr möglich, fand sich doch auch schon die Bewertung des Ministeriums auf den Folien.

"Das ist, als ob Sie uns für doof verkaufen", sagte Dirk-Henner Wellershoff, der Präsident des Landesjagdverbands. Der Landesbauernverband sprach gar von einem Scheitern der Veranstaltung. "Wenn eine Fachveranstaltung quasi abgebrochen werden muss, weil sie dank mangelnder Vorbereitung nicht durchführbar war, spricht das schon eine deutliche Sprache", sagte Verbandspräsident Henrik Wendorff. "Ich verstehe nicht, warum sich das Ministerium ein derartiges Armutszeugnis leistet, obwohl sich alle an der Erarbeitung des neuen Wolfsmanagementplanes Beteiligten beileibe nicht das erste Mal zusammengefunden haben." Immerhin gelang es der resoluten Agrarstaatssekretärin im Verlauf der Veranstaltung, die Fehler ihres Ministeriums wenigstens etwas auszubügeln. So betonte Schilde mehrfach, ein künftiges Zusammenleben mit dem Wolf könne nur im Dialog zwischen Landnutzern, Verwaltung und Naturschützern erreicht werden.