Es habe "Tötungslisten" gegeben, die nicht nur von den USA und Großbritannien alleine erarbeitet worden seien. Ramms: "Sie können sie auch als Nato-Listen bezeichnen, weil sie also auf den verschiedenen Ebenen der Regionalkommandos in Afghanistan und auch im Isaf-Hauptquartier entsprechend erarbeitet worden sind." Die Bundeswehr führt das Regionalkommando Nord der internationalen Schutztruppe Isaf seit 2006.

Die Opposition im Bundestag reagierte empört. Die Linke warf der Bundeswehr Beihilfe zum Mord vor. Die Grünen forderten schnelle Aufklärung. Ramms war bis September 2010 Befehlshaber der Nato-Kommandozentrale im niederländischen Brunssum, die den Afghanistan-Einsatz leitet.

Das Verteidigungsministerium bestätigte ebenfalls, dass die Bundeswehr an der Erstellung von Listen mit gefährlichen Aufständischen mitgewirkt habe. Es habe aber nie eine Empfehlung zur Tötung, nur lediglich zur "Festsetzung" dieser Personen gegeben, sagte ein Sprecher. Allerdings hatte die Bundeswehr keinen Einfluss darauf, wie andere Bündnispartner damit umgehen. Die Informationen konnten also auch für die umstrittenen Drohnen-Angriffe der USA genutzt werden. Der Bundesnachrichtendienst lieferte ebenfalls Informationen über die radikalislamischen Taliban.

"Der Spiegel" hatte am Wochenende über Todeslisten berichtet, auf denen zeitweise 750 Namen gestanden haben sollen. Die "Bild"-Zeitung meldete am Dienstag, dass es im Bundeswehr-Hauptquartier in Masar-i-Scharif eine Einheit zur Zieldaten-Ermittlung gegeben habe. Laut Geheimdokumenten sei es ihr Auftrag gewesen, "Informationen für die Nominierung möglicher Personenziele zu sammeln".