Sein trompetenartiger Ruf ist weithin zu hören. Zehntausende Tiere legen derzeit in Brandenburg einen Zwischenstopp auf ihren Weg in die südlichen Überwinterungsgebiete ein. Im Nationalpark Unteres Odertal können Besucher dieses Schauspiel live erleben. Vom 26. September bis 5. Oktober organisiert die Parkverwaltung in Criewen (Uckermark) eine Kranich-Woche.

"Wir sind gut auf den Besucheransturm vorbereitet", sagt Nationalparkleiter Dirk Treichel. "Film- und Diavorträge sowie Exkursionen sollen den imposanten Vogel vorstellen und für den Besucher hautnah erlebbar machen." Das sei zu Fuß sowie mit Rad, Kremser und Schiff möglich. Nach Polen fährt ein Shuttle.

Von den weltweit 15 bekannten Arten des Schreivogels hat sich nur der Graue Kranich (lateinisch: Grus grus) in Mitteleuropa niedergelassen. Das graue Schmuckgefieder der Altvögel verlieh dem Vogel seinen Namen.

Mit 35 Brutpaaren im Unteren Odertal und geschätzten 500 Tieren, die nicht brüten, verzeichnet der Nationalpark einen stabilen Bestand. "Im Herbst werden hier gut 10 000 Tiere gezählt", erzählt der Ornithologe Jochen Haferland. Die Beruhigung der Natur im Schutzgebiet sei ein Garant für die Population. Die Vögel schlafen auf überflutetem Grünland und am Ufer von Gewässern. "Der Kranich ist kein Problemvogel mehr", stellt Treichel fest. "Kraniche stehen unter Naturschutz und dürfen in Deutschland nicht gejagt werden."

Die Staatliche Vogelschutzwarte Buckow (Havelland) geht von etwa 1600 Brutpaaren in Brandenburg aus. Deutschlandweit gebe es etwa 5200 Brutpaare, sagt Mitarbeiter Torsten Ryslavy. In Brandenburg seien mehr als 60 Schlafplätze bekannt, wobei sich am oberen Rhinluch bei Linum (Ostprignitz-Ruppin) bis zu 70 000 Tiere versammeln.