ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:42 Uhr

Narren, Kamelle und Konfetti

Auch der Welzower Carneval Club hat sich in den Zug der fröhlichen Leute in Cottbus eingereiht. Insgesamt zogen rund 100 Gruppen an den etwa 90 000 Karnevalisten vorbei.
Auch der Welzower Carneval Club hat sich in den Zug der fröhlichen Leute in Cottbus eingereiht. Insgesamt zogen rund 100 Gruppen an den etwa 90 000 Karnevalisten vorbei. FOTO: mih
Cottbus/Plessa. Ein Hauch von Nervosität lag gestern Mittag über der Innenstadt von Cottbus. Langsam rollten die ersten Festwagen zu den Sammelplätzen, suchten ihre Startplätze und ließen sich von den Ordnern einweisen. Andrea Hilscher

Gleichzeitig bezogen Mannschaftswagen der Polizei ihre Stellungen an den Zufahrtsstraßen, an denen der Zug der fröhlichen Leute vorbeikommen sollte.

Vorbereitete Container wurden von Fahrzeugen des Cottbuser Abfallentsorgers Alba so zusammengerückt, dass sie zwar eine Gasse für mögliche Rettungseinsätze frei halten, potenzielle Amokfahrer aber aufhalten würden.

Hinter den Containern fuhren Sanitätskräfte, Rettungswagen und Einsatzkräfte der Polizei auf: Nach bitteren Erfahrungen in Berlin wollte die Polizei auf alle möglichen Gefahrensituationen optimal vorbereitet sein.

Die Organisatoren des Umzuges vom Karnevalverband Lausitz KVL hatten ebenfalls ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, hofften dennoch auf ein unbeschwertes Fest. Und je näher die magische Uhrzeit 13.11 heranrückte, umso entspannter die Stimmung unter den Aktiven. KVL-Vizepräsident Jörg Kalliske verteilte noch bis zur letzten Minute Zettel mit Startfolgen und Einsatzplänen, da wurde am Wagen der Ehrensenatoren des KVL schon kräftig vorgeglüht.

Der Cottbuser Ex-Oberbürgermeister Frank Szymanski warf mit Popcorn und Cola um sich, sein SPD-Parteifreund Werner Schaaf verteilte Pfannkuchen und der Unternehmer Helmut Rauer ließ sich von den umstehenden Damen herzen und küssen. "Wir lieben uns alle und wir lieben den Karneval", lächelte er selig.

Dann aber begann für die Herren Senatoren der ernsthafte Teil des Tages: Pünktlich um 13.11 Uhr mussten sie auf ihrem Wagen stehen und ihren Pflichten nachkommen: Kamelle werfen, Helau rufen, Frohsinn verbreiten.

Schon auf den ersten Metern der rund 1,6 Kilometer langen Konfettiparadestrecke zeigte sich: Die Fans des Cottbuser Karnevals lassen sich ihre Laune nicht vermiesen. Weder durch ein paar vereinzelte Regentropfen noch durch die Angst vor möglichen Anschlägen. Dicht gedrängt standen Besucher aus der gesamten Lausitz und dem Elbe-Elster-Land an den Straßenrändern, sammelten Bonbons, Popcorn und rote Rosen.

"Wir lassen uns nicht Bange machen", sagt Margitta Jens aus Prettin bei Torgau. "Wir kommen jedes Jahr, das hat in unserer Familie Tradition." Jürgen Krautz aus Lübben ergänzt: "Wir haben schon einen Moment nachgedacht, bevor wir hergekommen sind. Aber die Polizei hat alles gut abgesichert. Ich denke, sicherer als hier können wir heute nirgends sein."

Mulmig wurde einigen Narren allerdings, als sie auf dem Dach des Staatstheaters vermummte, bewaffnete Polizisten entdeckten. Immer wieder wollten die Karnevalisten Schnappschüsse von den Polizisten schießen, die aber wussten sich geschickt zurückzuziehen. Ines Filohn, Sprecherin der Polizeidirektion Süd: "Wir hatten tatsächlich Spezialeinsatzkräfte vor Ort, die sich natürlich so positioniert haben, dass sie einen guten Überblick hatten."

Die Lage blieb allerdings den ganzen Nachmittag über ruhig, die rund 90 000 Karnevalisten konnten entspannt die farbenprächtigen Festwagen, Funkengarden und Tanzformationen von rund 100 Gruppen genießen. Auch beim Straßenkarneval in Plessa ging es am Wochenende hoch her - friedlich.