Am Horn von Afrika ist die Lage seit Monaten dramatisch. Millionen sind angesichts der Dürre vom Hungertod bedroht. Jetzt ist Nahrungsmittel-Hilfe per Luftbrücke unterwegs. Bürokratische Hürden, langsame Verteilung und die Gefahren im Bürgerkriegsland Somalia bremsen die Unterstützung immer wieder. So standen die Flugzeuge für die Luftbrücke der Vereinten Nationen am Mittwoch stundenlang auf dem Flughafen in Nairobi, weil der kenianische Zoll Probleme machte. In den Camps in Kenia bekommen viele ausgehungerte Neuankömmlinge nach Angaben der Welthungerhilfe gerade mal eine Packung Kekse. Und wie die UN-Hilfsgüter nach der Landung auf dem Flughafen der somalischen Hauptstadt Mogadischu genau verteilt werden sollen, ist noch unklar.

Der Ministerpräsident der somalischen Übergangsregierung, Mohamed Abdullahi Mohamed, sagte der BBC, er und seine Mitarbeiter wollten eng mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten, damit die Nahrungsmittel der Luftbrücke da ankämen, wo sie nötig seien. „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, damit wir die bedürftigen Menschen erreichen.“ Diese Aussage kann sich nur auf die von der Regierung kontrollierten Regionen beziehen. Wie es mit den Notleidenden im von der islamischen Al-Shabaab-Miliz kontrollierten Süden weitergehen soll, wollte oder konnte er nicht sagen. Und dort ist der Hunger am größten.

Nicht zuletzt wegen dieser politischen Lage strömen unaufhörlich Somalier in die Nachbarländer. „Die Kapazitäten der Flüchtlingslager in Kenia werden bereits um ein Fünffaches überschritten“, teilte die Stiftung Unsco mit. Und Tag für Tag träfen Tausende unterernährter Flüchtlinge ein. „Die Nahrungsmittel-Vorräte der einzelnen Lager sind leer.“ Fatoumata Lejeune-Kaba vom Flüchtlingskomitee UNHCR sagte: „Viele Leute warten, und unser größtes Problem ist, dass wir gegen die Zeit anrennen.“ Rund 1500 Menschen sollen nun täglich von den mit 400 000 Menschen völlig überlasteten Dadaab-Camps in ein neues Zentrum umgesiedelt werden. Auch beim Bau dieses Lagers seien die UN immer wieder von der kenianischen Regierung behindert worden. Die weitere Eskalation der Lage ist deshalb kaum zu verstehen, weil die internationale Gemeinschaft in diesem Fall großzügig auf die Aufrufe der UN reagiert hatte. Es sind bereits Spenden in Höhe von einer Milliarde Dollar zugesagt worden. Aber ein ähnlicher Betrag ist Schätzungen zufolge nötig, um die Krise bis Ende dieses Jahres in den Griff zu bekommen.

Fast alle finanziellen Hilfen kommen aus den USA, Europa und Japan. Reiche arabische Länder fehlen auf der Liste großer Geberländer für das muslimische Somalia. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief deshalb jetzt Saudi Arabien, Katar und Kuwait dazu auf, ihren Beitrag zu leisten. „Wenn wir jetzt nicht handeln, wird sich die Hungersnot innerhalb von zwei Monaten auf den Rest von Südsomalia ausdehnen und die Effekte könnten auch auf andere Länder in der Region überschwappen“, sagte UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos vor wenigen Tagen bei einer Krisenkonferenz in Rom. Die Unesco-Sonderbotschafterin Ute-Henriette Ohoven beklagte: „Eltern müssen ihren Kindern beim Sterben zusehen.“