Am Chaosflughafen BER sind offenbar 600 als Brandschutzwände geplante Wände nicht korrekt gebaut worden. Das sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld am Montag in der Sitzung des Sonderausschusses BER im Potsdamer Landtag. "Die Wände waren als Wand akzeptabel, aber nicht als Brandschutzwand", sagte Mühlenfeld. Bis zum Baustopp durch die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald wegen erhöhter Lasten an Arbeitsbühnen, die von zu schweren Ventilatoren verursacht wurden, wurde an der Behebung der Mängel gearbeitet. "Man hat dort falsch gemauert - man hat Gasbetonsteine mit Mörtel verfugt, das ist nicht erlaubt, wenn es eine Brandschutzwand ist", sagt Mühlenfeld. "Und deswegen müssen diese Wände eingerissen und erneuert werden."

Mühlenfeld betonte vor den Abgeordneten, dass das Dach des BER entgegen Medienberichten "niemals einsturzgefährdet" gewesen sei. 2008 sei die Statik des Gebäudes unter der Voraussetzung berechnet worden, dass jeder Ventilator zwei Tonnen wiegt. Heute wisse man, dass alle kleineren Ventilatoren 2,3 Tonnen wiegen. Fünf große Ventilatoren wiegen sogar mehr als vier Tonnen. Seit dem 24. September liege dem Flughafen ein Gutachten eines Statikers vor: "Solange man die Ventilatoren nicht anstellt, gibt es an den kleinen Ventilatoren keine Überlast", sagte Mühlenfeld. "Bei den großen Ventilatoren sind zusätzliche temporäre Befestigungen nötig." Die Flughafengesellschaft gehe davon aus, dass das Gebäude in der kommenden Woche wieder für Bauarbeiten freigegeben werde. Anschließend sollten die Arbeitsbühnen, auf denen sich die Ventilatoren befinden, durch spezielle Metallträger verstärkt werden. Allerdings müsse in dieser Bauphase ein anderes Brandschutzkonzept gelten als bisher vorgesehen. Sollten die Ventilatoren künftig nicht genutzt werden, müsse allerdings das Brandschutzkonzept des Pannen-Airports überarbeitet werden. "Dieser Umstand wird aber nicht dazu führen, dass sich unsere Verspätung signifikant vergrößert."

Derzeit hinke der Flughafen Mühlenfeld zufolge drei bis vier Monate hinter den Plänen her. Die bauliche Fertigstellung des Terminals im März 2016 sei nicht mehr haltbar. "Das bedeutet aber nicht, dass wir den Eröffnungstermin des Terminals infrage stellen."

Derzeit seien 92 Prozent der Kabeltrassen saniert, 56 Prozent der Brandschutzprobleme erledigt und 58 Prozent der festgestellten Baumängel abgearbeitet. Die Start- und Landesbahn Nord sei zu 60 Prozent saniert und werde Ende Oktober wieder in Betrieb gehen. Im Terminal seien 47 Prozent der Arbeiten abgeschlossen. "Wir haben im August nicht viele und im September noch weniger Fortschritte gemacht", musste Mühlenfeld einräumen. Auch der Flughafenkoordinator der Landesregierung, Staatssekretär Rainer Bretschneider, sagte, dass die Situation "sehr ernst" sei. "Aber wenn alle mit voller Konzentration arbeiten, ist die Termineinhaltung nach wie vor möglich", sagte Bretschneider. "Die Luft, die wir von März 2016 bis Ende 2017 haben, ist jedenfalls so groß, dass es theoretisch noch geht." Seiner Ansicht nach gebe es am BER keine neuen Pannen. "Wir finden nur Pannen, die 2008 oder 2009 verursacht worden."

Unterdessen wiesen Vertreter der Brandenburger CDU die Forderung des Uckermärker Bundestagsabgeordneten Jens Köppen nach einem Komplettabriss des BER zurück. Dies sei eine Einzelmeinung, so der verkehrspolitische Sprecher der Brandenburger CDU, Rainer Genilke. Die Brandenburger CDU gehe weiter davon aus, dass der BER schnellstmöglich fertiggestellt werden und ans Netz gehen müsse.