Der Kapitalismus ist vielleicht nicht das Ende der Geschichte, aber gegenwärtig gilt erstmal Wettbewerb. Jeder hängt Ware über die Theke und schreit: Kauft, Leute, kauft! Wer mehr verkaufen will, stellt ein Mädchen im straffen Oberteil daneben, das mit dem Körbchen winkt. Die Politik macht das ähnlich. Wer da verkaufen will, packt einen Stapel Papier auf die Theke und schreit: Leute, hier gibt's Neues zur ÖPNV-Finanzierungsverordnung! Funktionieren tut das aber selten. Im Wettbewerb ums Publi kumsinteresse hilft nur knallharter Alarmismus: Der Russe kommt! Die polaren Eiskappen schmelzen! Burka-Frauen-Invasion in deutschen Freibädern! Da strömen die Menschen herbei, so sind sie halt. Schlaue Politiker greifen sowas gleich auf. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kann das gut. Er wollte damals Facebook verdonnern, hetzerische Kommentare sofort zu löschen, als das Thema ganz groß war. Gab auch ein großes Hallo.

Aber als es dann um konkrete Schritte ging, hatte Maas schon wieder ein anderes Nachrichtenthema, nämlich eine neue Freundin. Fällt das schon unter sexistische Werbung? Hoffentlich nicht, denn die will Maas jetzt verbieten. Unterstützung kriegt er ausgerechnet aus der Sachsen-CDU. Die Meißner Landtags-Abgeordnete Daniela Kuge schreibt auf Facebook: "Bin ich dafür. Weniger nackte Frauen, mehr nackte Männer in der Werbung!!!" Fällt das schon unter Internethetze? Hoffentlich nicht. Aber wir sollten alarmiert sein.