Von Christine Keilholz

Mit einem Plakat hat es Sachsens AfD in die Schlagzeilen geschafft. Es zeigt eine nackte Frau, die an einen Heizkörper gefesselt ist und der sich ein Angreifer nähert. Daneben steht in fetten Buchstaben: „Pfefferspray hilft nicht immer. Gute Politik schon.“ Mit diesem Motiv will die Partei im Landtagswahlkampf werben.

Präsentiert hat es der Sprecher der AfD-Fraktion im sächsischen Landtag, Andreas Harlaß, vor wenigen Tagen auf seiner Facebook-Seite. „Wie findet Ihr die neue Wahlkampf-Plakatkampagne der Sachsen-AfD“, fragt Harlaß dort. Er bekommt reichlich Rückmeldung. Einige seiner Facebook-Freunde äußern sich empört. Bild und Text seien „etwas hart“ oder gar „unterirdisch“. Andere witzeln, das sähe aus wie „Werbung für einen Pornofilm“. Die meisten zeigten sich skeptisch, ob das Motiv angemessen ist, auf Sexualstraftaten hinzuweisen. „Würde ich so nicht nehmen“, schreibt einer, „kommt beim Bürger nicht an.“

Aufmerksamkeit hat der Landesverband mit dem schrillen Plakatmotiv jedenfalls bekommen. Dabei wäre die nicht unbedingt nötig, denn es läuft gut zurzeit für die sächsische AfD.

Kurz vor der Sommerpause des Parlaments liegt die Partei im Freistaat zahlenmäßig gleichauf mit der regierenden CDU. Die jüngste Umfrage sah beide Parteien bei 26 Prozent und deutet auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen am 1. September hin. In Sachsen haben die Rechtspopulisten reelle Chancen auf den Wahlsieg. Bei der Bundestagswahl 2017 hat das bereits geklappt. Landeschef Jörg Urban hat mehrfach erklärt, dass er seiner Partei zutraut, die Regierungsverantwortung zu übernehmen. Das Programm für die Landtagswahl hat die AfD  vollmundig „Regierungsprogramm“ getauft.

Die Partei ist bemüht, ein gepflegtes Erscheinungsbild abzugeben. Schrille Töne und nationalistische Ausfälligkeiten waren in den vergangenen Wochen nicht mehr zu hören. Urban zielt auf neue Wählerschichten ab und sprach zuletzt beim Parteitag in Lommatzsch (Kreis Meißen) von „30 plus x“ Prozent, die die AfD erreichen könne. Ob es da klug ist, nackte Gewaltbilder in die Städte zu hängen, das bezweifeln viele in der Plakat-Debatte. Fraktionssprecher Harlaß lässt sich aber nicht beirren: „Habe die zum Teil harschen Kritiken gelesen“, schreibt er auf Facebook, „und komme zu dem Schluss, dass das Plakat gut ist.“ Ein anderes Motiv zeigt eine Flaschensammlerin mit dem Slogan „Menschenwürde auch für Deutsche“. Der 57-Jährige, der auch im Vorstand der Sachsen-AfD sitzt, war früher Reporter der Bild-Zeitung in Dresden.

 Harlaß kam 2014 als Pressesprecher zur frisch gewählten Landtagsfraktion. Die zählte damals noch 14 Mitglieder und hatte eine Vorsitzende namens Frauke Petry. Inzwischen sind es nur noch neun. Die restlichen fünf haben sich 2017 abgespalten und sitzen als Fraktionslose im Plenum – unter ihnen Petry. Für die 44-Jährige war gestern der letzte Tag im Dresdner Landtag. Ihre neue Partei, die Blauen, hat bei der Wahl kaum Chancen.