Nachfolger nicht in Sicht: Den Gesundheitsämtern in Brandenburg gehen die Mediziner aus. "Es gibt große Probleme, Amtsärzte zu gewinnen" sagte eine Sprecherin der Landesärztekammer. Grund dafür sei nicht nur das Imageproblem, sondern die schlechtere Bezahlung im Vergleich zu Klinik- und niedergelassenen Ärzten. "Eine Angleichung des Tarifes würde das Problem sicher minimieren", sagt sie.

25 Ärzte fehlen in Sachsen

Ähnlich die Lage in Sachsen. Wie das Sozialministerium auf Anfrage mitteilt, fehlen derzeit 25 Ärzte und Zahnärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD). Lediglich in den Landkreisen Meißen und Zwickau und sowie der Stadt Leipzig sind die Arztstellen in den Gesundheitsämtern noch vollständig besetzt. In Brandenburg gibt es nach Angaben aus dem Gesundheitsministerium 18 Amtsärzte und 91 Mitarbeiter im öffentlichen Gesundheitsdienst. Viele Stellen sind aber vakant. Zudem gehen in den kommenden Jahren zahlreiche Mitarbeiter in Ruhestand. Wie viele Stellen im Land insgesamt offen sind, konnte des Ministerium nicht beziffern.

Ein Beispiel ist der Fall von Medizinerin Martina Pohle, die in fünf Monaten nach jahrzehntelanger Tätigkeit in den Ruhestand geht. Die 60-Jährige ist Fachärztin für Hygiene und Gesundheitsmedizin im Gesundheitsamt Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz). Sie will aus privaten Gründen frühzeitig ihren Job im Öffentlichen Gesundheitsdienst beenden, wie sie sagt. Vor 18 Monaten sei ihre Stelle öffentlich ausgeschrieben worden: ohne Erfolg. "Unser Job scheint für Bewerber nicht attraktiv genug zu sein", meint sie.

"Die Leute denken, dass wir den ganzen Tag nur am Schreibtisch sitzen und Akten hin und her schieben", sagt die Vorsitzende des Brandenburger Landesverbandes der Ärzte im ÖGD, Astrid Schumann. Sie leitet seit vier Jahren das Gesundheitsamt in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald).

Der Alltag sehe alles andere als langweilig aus, sagt sie. "Erst fahre ich zur Raststätte Waldeck und mache dort einen Hygiene-Check, dann geht es zur Impfsprechstunde ins Asylbewerberheim und anschließend zum Flughafen Schönefeld, wo ich mit Verantwortlichen vor Ort über Ebola-Kontrollen berate", beschreibt sie einen Arbeitstag. Zwischendurch fahre sie ins Amt. Amtsärzte managen mehr, als dass sie Kranke behandeln, wie sie sagt.

Petra Albrecht, Vorstandsmitglied der sächsischen Landesärztekammer, warnt, dass ein Großteil der Gesundheitsämter im Freistaat aufgrund des Mangels an Fachärzten ihre gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben nicht mehr erfüllen kann. Albrecht verweist unter anderem auf die Reihenuntersuchungen von Kindern und Jugendlichen. In diesem Bereich sei die Arbeitsfähigkeit des ÖGD bereits eingeschränkt, sagte die Amtsärztin des Landkreises Meißen. "Auch die infektionshygienischen Überwachungen von Gemeinschaftseinrichtungen und medizinischen Einrichtungen kann nur noch unvollständig durchgeführt werden", warnte sie.

1000 Euro weniger im Monat

"Ärzte, die in Krankenhäusern angestellt sind, verdienen bis zu 1000 Euro im Monat mehr, weil für sie ein anderer Tarifvertrag angewendet wird", erklärt der Sprecher des Brandenburger Gesundheitsministeriums, Gabriel Hesse. Alle Versuche, eine Angleichung der Tarife zu erreichen, seien bislang gescheitert. Allerdings könnten die Kommunen eine Zulage zahlen.