"Der Landtag wird das Ergebnis gewissenhaft debattieren", sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Dienstag beim Verlassen der SPD-Fraktionssitzung. "Und dabei wird das Spannungsfeld zwischen den Interessen der Flughafenanwohner und denen des gesamten Landes nach wirtschaftlicher Entwicklung und Arbeitsplätzen erneut abzuwägen sein." Zu welchem Ergebnis man dabei kommen wird, machte wenig später der SPD-Fraktionsvorsitzende Ralf Holzschuher klar: "Wir werden das Volksbegehren im Landtag nicht unterstützen."

Ähnlich äußerte sich auch der Vorsitzende der Linksfraktion, Christian Görke: Für beide Koalitionsfraktionen sei der Passus des Volksbegehrens, der eine Verlagerung von Flugverkehr zu anderen Standorten in Brandenburg vorsehe, nicht akzeptabel.

Vor einer Ausweitung des Nachtflugverbots warnte auch der Sprecher der Berliner Industrie- und Handelskammer, Leif Erichsen. Der frühere Pressesprecher der Berliner Flughafengesellschaft sagte dem Radiosender 104.6 RTL, dass bei einer Ausdehnung des Nachtflugverbots rund 18.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden. Hingegen zeigte sich der Vorsitzende der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Axel Vogel, "begeistert" vom Ergebnis des Volksbegehrens. Allerdings teilten auch die Grünen nicht die Forderung, Teile des Flugverkehrs auf Standorte wie Cottbus-Drewitz oder Neuhardenberg zu verlagern.

"Es ist ein Irrweg, einen eigenen Flughafen für den Nachtflugverkehr zu bauen", sagte Vogel. Der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Andreas Büttner, erklärte, die Initiative zu ihrem Erfolg "nur beglückwünschen zu können. Wir Liberalen freuen uns über diesen Erfolg direkter Demokratie", so Büttner.

Inhaltlich sei die Fraktion beim Thema Nachtflugverbot allerdings gespalten: Die aus Teltow und Kleinmachnow stammenden Abgeordneten Marion Vogdt und Hans-Peter Goetz unterstützten die Fluglärmgegner, er selbst und die übrigen Abgeordneten seien anderer Meinung. Es werde jedoch keinen Fraktionszwang geben. "Ich halte das für eine klassische Gewissensentscheidung jedes einzelnen Abgeordneten."