Vier Jahre nach dem Unglück von Nachterstedt mit drei Toten bleibt der Concordia-See für Badegäste weiter gesperrt. Bei den noch notwendigen umfangreichen Sanierungen soll ein neuer Anlauf zur Suche nach den Leichen der drei Todesopfer unternommen werden, wie die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) am Dienstag in Magdeburg mitteilte.

Zwei Gutachter kamen zu dem Ergebnis, dass hoher Druck in tiefen Grundwasserschichten der Hauptauslöser des Unglücks war. Dabei waren am 18. Juli 2009 Teile einer Siedlung in den gefluteten ehemaligen Braunkohle-Tagebau im Salzlandkreis gestürzt.

Zur Aufklärung der Unglücksursache hat die Lausitz unterdessen erheblich beigetragen. Wie LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber gegenüber der RUNDSCHAU erklärt, hätten Messergebnisse nach Sprengungen im ehemaligen Tagebau Spreetal bei Hoyerswerda (Landkreis Bautzen) die Gutachter zu neuartigen Erkenntnissen geführt und ihre Ursachenforschung wesentlich unterstützt. Wenngleich nach LMBV-Einschätzung die Rutschung am Concordia-See nicht mit der Lausitz vergleichbar sei, würden die Erkenntnisse der jüngsten Gutachten in die neuerlichen Untersuchungen von 50 größeren Bergbau-Seen in der Lausitz (30) und in Mitteldeutschland (20) einfließen.

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) versicherte in Nachterstedt, dass der Concordia-See durchaus eine Perspektive habe. Ziel sei es weiter, den See touristisch und zur Naherholung nutzen zu können. "Dabei hat der Schutz von Leib und Leben auch weiterhin oberste Priorität", erklärte Möllring. Er rechne mit einer teilweisen Öffnung des Sees für den Tourismus zur Saison 2015.

Zunächst soll das zum Teil in den See gerutschte Gelände weiter stabilisiert und dazu auch ein Zufahrtsweg gebaut werden. Dies werde man dann auch nutzen, um nochmals nach den noch immer vermissten drei Leichen zu suchen, erklärte die bundeseigene LMBV als Eigentümerin des Sees.

Die Kosten der weiteren Sanierung würden rund 50 Millionen Euro betragen, bislang seien 145 Millionen Euro geflossen. Unter anderem wurde erfasst, wo sich möglicherweise Metallteile aus den Häusern im Erdreich befinden. Dort könnten sich dann auch die Leichen finden.

Die Gutachten der LMBV und des Bergbauamtes des Landes kommen beide zu dem Ergebnis, dass das Unglück im Wesentlichen durch einen extrem hohen Druck in Grundwasserschichten unterhalb des Kohleflözes ausgelöst wurde. Der Gutachter der LMBV geht zudem davon aus, dass ein seismisches Ereignis - vergleichbar einem Mini-Erdbeben - das Unglück mit ausgelöst hatte.

Das zweite Gutachten des Bergbauamtes nennt die locker gelagerten Kippenmaterialien unter Wasser als eine der weiteren Ursachen. Beide Gutachten widerlegen jedoch die bisherige These, dass frühere Bergbauarbeiten das Unglück verursacht haben könnten.