Weiter zuversichtlich zeigt sich der Geschäftsführer der "Seeland Gesellschaft für Tagebauentwicklung mbH", Rüdiger Mierzwa. Aus seiner Sicht ist das Vorhaben noch nicht gescheitert. "Wir reden jetzt mit Center Parcs", sagt Mierzwa und beruft sich auf ein Gutachten aus München, wonach ein Ferienpark in dieser Region gute Chancen hätte. Mit einer Überdachung könnte das Gelände nicht nur in der Saison genutzt werden. Zugleich bedauerte er die veränderten Bedingungen in Deutschland und das Sinken von Fördergeldern.
Zwar will die Landesregierung an der touristischen Förderung der Region festhalten. Aus dem Wirtschaftsministerium heißt es, es werde mit einem neuen Investor verhandelt. Wer dies konkret ist und was der neue Bauherr genau plant, war aber nicht zu erfahren. Und angesichts der ohnehin schlechten Finanzlage des Landes und der weiteren Steuerausfälle kann das Land in keinem Fall massenhaft Extra-Fördergeld bereit stellen.

An jeden Strohhalm klammern
"Wenn ich die Wahl zwischen Nach terstedt und dem Schwarzwald als Urlaubsort habe, fällt mir die Entscheidung nicht schwer", sagt der ehrenamtliche Bürgermeister von Nachterstedt, Uwe Pietzonka, bedauernd. "Als ich den Leuten im Ort vorrechnete, dass so ein Projekt nie funktionieren kann, war ich sofort der Bösewicht." Er habe aber Verständnis, dass sich die Menschen in der von hoher Arbeitslosigkeit gekennzeichneten ehemaligen Braunkohlebergbauregion an jeden Strohhalm klammerten.
Viele Jahre wurde von der Betreiber- und Investorengruppe "Haegens Holland" die Hoffnung aufrecht erhalten, das Projekt zu verwirklichen. Tausende Vergnügungssüchtige sollten nach Nachterstedt pilgern und auch die Kassen der verarmten Kommunen in der Region füllen. Die kühne Idee war mit rund 90 Millionen Euro veranschlagt worden, davon rund 35 Millionen Euro Fördermittel vom Land. Gedacht war an die Schaffung von 140 bis 200 Arbeitsplätze in der ersten Phase. Aber die Banken spielten nicht mit, Kredite wurden nicht bereitgestellt. Deshalb sprang der ursprüngliche Investor ab.
Inzwischen läuft das ehemalige Tagebaurestloch "Concordia See" seit Anfang 1997 langsam weiter voll. "Es gibt einen abgeflachten Strand bei Schadeleben, wo gebadet werden kann", sagt Pietzonka. Zwei Bootsstege sind fertig. Auch sonst wird das Gelände für die Freizeitgestaltung genutzt.
Heute gibt es hier den wohl größten Spielplatz des Landes. Neben vielen Spielgeräten sind überall geschnitzte Figuren, wie Bären, Pinguine, Schafe, Schildkröten und Fische aus einheimischen Robinienholz aufgestellt. Außerdem entstand auf der ehemaligen begrünten Braunkohlenabraumhalde ein Bürgerpark mit einem ausgebauten Wanderwegenetz von insgesamt 20 Kilometern Länge.