Obwohl der Betreuungsbedarf für Kinder steigt, ist die Kindertagespflege in Brandenburg rückläufig. Anfang März dieses Jahres hatten in der Mark rund 4130 Jungen und Mädchen im Alter von bis zu 14 Jahren eine Tagesmutter oder einen Tagesvater. Das waren etwa 170 weniger als ein Jahr zuvor, wie das Jugendministerium in Potsdam auf eine Anfrage der CDU im Landtag mitteilte. Tagesmütter beklagen nach Angaben des Landesverbands für Kindertagespflege, dass die Jugendämter ihre Arbeit nicht immer gleichrangig mit der in den Kindertagesstätten bewerten.

Die Tagespflege ist laut Gesetz eine den Kindertagesstätten gleichwertige Form der Betreuung von Jungen und Mädchen. In der Regel betreut eine Pflegekraft bis zu fünf Kinder im Alter von bis zu drei Jahren im eigenen Haushalt, angemieteten Räumen oder in der Familie des Kindes. Erforderlich dafür ist eine Pflegeerlaubnis des Jugendamtes, das auch die Räume prüft, in denen die Jungen und Mädchen betreut werden. Die familienähnliche Form, die individuelle Förderung der Kinder und die zeitliche Flexibilität dieser Art der Betreuung gelten als Vorteile gegenüber der Praxis in Kindertagesstätten.

Bundesweit wurden der amtlichen Statistik zufolge im März 2018 rund 168 000 Kinder in der öffentlich geförderten Kindertagespflege betreut, knapp 13 Prozent mehr als drei Jahre zuvor. In Brandenburg dagegen ging die Zahl der Kinder in diesem Zeitraum um fünf Prozent auf rund 4300 zurück. Am 1. März 2019 waren nur noch 4130 Jungen und Mädchen in der Obhut der Kindertagespflege.

Auch die Zahl der Tagesmütter und -väter stieg im Bund zwischen dem 1. März 2015 und dem 1. März 2018 geringfügig um 74 auf 44 181 an, in Brandenburg dagegen sank sie um 102 auf 1056 ab. In den zwölf Monaten bis zum 1. März dieses Jahres gaben laut Jugendministerium weitere 42 solcher Pflegekräfte auf.

Nach Angaben des Landesverbandes für Kindertagespflege werden Eltern in einigen Landkreisen oftmals nicht oder nur unzureichend auf die Wahlmöglichkeit zwischen Kitas und Tagesmüttern hingewiesen. Auch dies sei einer der vielen Gründe, weshalb die Nachfrage nach Plätzen in der Kindertagespflege gesunken ist - wie auch die Zahl der Tageseltern.

Häufiger komme es auch vor, dass Kindertagesstätten Eltern indirekt unter Druck setzen, die sich bereits auf eine Kindertagespflege festgelegt hatten. Ihnen werde gesagt, wenn sie sich jetzt nicht für einen Kitaplatz entscheiden, könne man ihnen nicht garantieren, dass sie später dort noch einen Platz bekommen, sagte Landesverbandschefin Ingrid Pliske-Winter der Deutschen Presse-Agentur.

Ein weiterer Grund für den Rückgang der Kindertagespflege ist ihren Worten zufolge die geringe Bezahlung in einigen Landkreisen. So zahle ein Landkreis im östlichen Brandenburg für 40 Stunden 304 Euro pro Woche. Das entspreche einem Stundensatz von 1,90 Euro, plus Zuschuss für Sach-, Betriebs- und Nebenkosten sowie für Ausstattung und Lebensmittel. „Bei einem Monatsverdienst von 1500 Euro braucht eine Tagesmutter zwei Jahre, um einen Rentenpunkt zu erlangen. Aus Furcht vor der Altersarmut wechseln viele Kinderbetreuer daher früher oder später den Beruf.“

Besserungen erhofft sich der Landesverband laut Pliske-Winter von dem im April 2018 geschaffenen „Brandenburgischen Kindertagespflegebüro“. Es soll Kindertagespflegepersonen, Jugendämter, Eltern und interessierte Bürger in allen Fragen rund um die Kindertagespflege beraten und unterstützen.