SPD, CDU und Grüne haben in der vergangenen Woche in Brandenburg die politischen Weichen für die nächsten Jahre gestellt. Im Zuge der Koalitionsverhandlungen hat sich, weitgehend unbemerkt, auch die brandenburgische SPD neu sortiert. Als vor zwei Jahren Regierungschef Dietmar Woidke die Kreisreform wegen zu großer Widerstände absagen musste, waren die Sozialdemokraten hierzulande tief verunsichert. Kann der Lausitzer noch Wahlen gewinnen und wer könnte ihm nachfolgen, fragte sich damals die Sozialdemokraten.

Noch in diesem Sommer, als die Umfragewerte der langjährigen Regierungspartei zwischenzeitlich auf den dritten Platz hinter AfD und CDU abrutschten,  wurde diskutiert, wer notfalls ein Vakuum an der SPD-Spitze füllen und als Juniorpartner der Union mitregieren könnte. Namen wie der ehemalige Sozialminister Günter Baaske, Bildungsministerin Britta Ernst oder die Kandidatin für den Bundesvorsitz, Klara Geywitz, wurden ins Spiel gebracht.

Bekanntlich hat Woidke die Wahl mehr oder weniger allein auf sich gestellt am 1. September gewonnen und sitzt fester denn je im Sattel. Daneben hat sich eine Reihe jüngerer Politiker ins Blickfeld geschoben, die in den kommenden Jahren das Bild der Regierungspartei prägen könnten.

An erster Stelle ist da die Prignitzerin Katrin Lange zu nennen. In den vergangen Jahren wirkte sie als Staatssekretärin für Infrastruktur und später für Inneres oft wie eine Beobachterin des Potsdamer Politbetriebes. In den Sondierungsgesprächen, die sie in Abwesenheit Woidkes zeitweise führte, zeigte Lange, dass sie sehr wohl aktiv in die Politik eingreifen kann und eine eigene Agenda hat. Inzwischen wird sie als mögliche Ministerin für Finanzen und Europa gehandelt. Ein Amt, mit dem sie maßgeblich die Geschicke der künftigen Kenia-Koalition mitbestimmen würde.

In den Verhandlungen zur Regierungsbildung ist auch die Potsdamerin Manja Schüle aufgefallen. Der in Frankfurt (Oder) geborenen Politikerin ist es 2017 bei der Bundestagswahl gelungen, als einzige in den ostdeutschen Flächenländern ein Direktmandat für die SPD zu erringen. Im Bundestag hat sie sich im Bereich Wissenschaft profiliert, wo sie sich die Stärkung  der ostdeutschen Forschungslandschaft auf die Fahnen geschrieben hat. Schüle gilt als gut vernetzt in der Bundespartei. Ob sie auf die Landesebene wechselt und im Kabinett Woidke Wissenschaftsministerin wird, ist unklar.

Der ehrgeizige OB aus Potsdam

Und da gibt es noch den ehrgeizigen Oberbürgermeister von Potsdam, Mike Schubert. Der war zwar als Sympathisant von Rot-Rot-Grün nicht tiefer in die Koalitionsverhandlungen mit CDU und Grünen eingebunden, gilt jedoch inzwischen als Liebling der SPD-Parteitage. Dort verstand es der gebürtige Schwedter immer wieder die Delegierten zu begeistern, wobei er peinlichst darauf achtete, nicht als Potsdamer Lokalpolitiker, sondern als jemand mit dem Blick für das ganze Land wahrgenommen zu werden. Darüber hinaus schafft er sich gerade mit Initiativen für eine kommunale Zusammenarbeit im Berliner Umland ein breites Netzwerk.