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Nach Wisent-Abschuss: Landrat entschuldigt sich

In Polen galt der umherziehende Wisent als friedfertig, im Amt Lebus sah dies der Amtsdirektor anders und ließ ihn abschießen (Symbolfoto).
In Polen galt der umherziehende Wisent als friedfertig, im Amt Lebus sah dies der Amtsdirektor anders und ließ ihn abschießen (Symbolfoto). FOTO: dpa
Seelow/Lebus. Der Landrat von Märkisch-Oderland Gernot Schmidt (SPD) hat sich am Mittwoch auf Anfrage des Grünen-Abgeordneten Jan Sommer im Kreistag zum Abschuss des Wisents aus Polen geäußert. In einem Schreiben gegenüber seiner Amtskollegin hat er sein Bedauern geäußert. Frank Hilbert

"Da es offenbar nicht das letzte Mal sein wird, dass ein Tier die Oder von Polen aus überquert, hat der Landrat angekündigt, für künftige solcher Notfälle vorbereitet zu sein. Das schließe offenbar auch die technischen Voraussetzungen ein", sagt Sommer am RUNDSCHAU-Telefon. Schmidt habe darüber hinaus den Kreistag über ein Schreiben an seine Amtskollegin auf polnischer Seite informiert.

Dieses liegt der RUNDSCHAU vor. Darin drückt der Landrat sein tiefes Bedauern aus.

"Nach Einschätzung der Verantwortlichen vor Ort ging von dem Tier ein durch sie nicht zu unterschätzendes Gefährdungspotenzial für die Bevölkerung aus", schreibt der Landrat darin unter anderem. "Aus diesem Grund wurde in Abwägung aller zu diesem Zeitpunkt vorhanden Informationen und zum Schutz der Bevölkerung mit Einbruch der Dunkelheit entschieden, das Tier zu erlegen."

Gernot Schmidt räumt in seinem Schreiben jedoch ein, "ob die getroffene Entscheidung nicht hätte anders ausfallen können. Wir bedauern den Ausgang dieses Ereignisses sehr und hoffen, dass sich hierdurch kein Schatten über unsere gemeinsamen Beziehungen legt". Solcherart Konflikte müssten "in der Sache hart, aber mit gegenseitiger Achtung" gelöst werden.

Um weitere Vorfällen dieser Art vorzubeugen, schlägt der Landrat ein gemeinsames Gespräch vor.

Nicht nur Gernot Schmidt hat diese Entschuldigung unterzeichnet, sondern auch der Direktor des Amtes Lebus, Heiko Friedemann. Dieser ist verantwortlich für den übereilten Abschuss des Wisents vor einigen Tagen.

Wie bereits berichtet, war er von einer akuten Gefahr für Leib und Leben ausgegangen. Er hatte keine andere Möglichkeit gesehen, als das imposante und in Polen als friedfertig bezeichnete Tier abschießen zu lassen. Jemanden mit einem Betäubungsgewehr hatte das Amt nicht finden können, hieß es.

Das Landwirtschaftsministeriums in Brandenburg behält sich gegen Friedemann rechtliche Schritte vor. Der Abschuss hatte auch zu heftigen Unmutsäußerungen von Bürgern beider Ländern in sozialen Netzwerken geführt.