„Auf Wiedersehen, so ist das, wenn man die Chancen nicht nutzt“, sagte ein enttäuschter Trainer Stelian Moculescu. Nach der Pleite gegen den Zwischenrunden-Tabellenführer kann das mit zwei Niederlagen belastete deutsche Team nur noch mithilfe der Konkurrenz ins Halbfinale einziehen. Die Wahrscheinlichkeit aber geht gegen null. Voraussetzung ist ohnehin ein eigener Sieg gegen Frankreich.

Deutschland verschenkte in der „Jubilejni“-Halle von St. Petersburg ein besseres Ergebnis, als im dritten und vierten Satz gegen den Europaliga-Sieger Spanien ein größerer Vorsprung und drei Satzbälle vergeben wurden. „Wir sind an Kleinigkeiten gescheitert, vielleicht war auch der Druck zu groß. Denn die Mannschaft war das erste Mal in der Situation, um eine Medaille zu spielen“, erklärte der Bundestrainer, der schon vor dem Turnier mit seinem Abgang im Jahr 2008 spekuliert hatte. Die Spieler waren am Boden zerstört. „Es ist eine der größten Enttäuschungen in meiner Karriere. Wir haben gut gespielt und hatten alles selbst in der Hand, nur haben wir den Sack nicht zugemacht“, sagte Björn Andrae.

Nach großen Annahme-Problemen im ersten Satz lagen die Männer des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) gleich mit 3:8 zurück und konnten diesen Rückstand nicht mehr wettmachen. Im zweiten Durchgang steigerte sich vor allem der deutsche Block. Stefan Hübner und Max Günthör kamen über die Angriffs-Mitte besser zum Zug, nachdem Moculescu auf der Zustellerposition Simon Tischer für den diesmal glücklosen Frank Dehne eingewechselt hatte. Nach dem souveränen 25:15 verpasste der WM-Neunte im dritten Durchgang nach Fünf-Punkte- Vorsprung und einer 24:22-Führung die große Chance zum Gewinn des Satzes. Das DVV-Team vergab gleich zwei Satzbälle, auch der bis dahin starke Jochen Schöps scheiterte an der spanischen Abwehr.

So kam die Mannschaft des italienischen Trainers Andrea Anastasi, der 1999 mit den Azzurri Europameister war, zurück ins Spiel. In der European League hatte Deutschland noch drei von vier Vergleichen gegen die Spanier gewonnen, dabei sogar zweimal einen 0:2-Rückstand aufgeholt. Dieses Mal gelang das nicht, weil in den entscheidenden Situationen auch im vierten Durchgang die nötige Konzentration und vor allem die Wucht fehlten. Wieder konnten ein Zwei-Punkte-Vorsprung kurz vor Schluss und ein Satzball nicht genutzt werden.

So bleibt den Deutschen, die als beste EM-Platzierung bisher vierte Ränge (zuletzt 1993) vorweisen können, nur noch die kleine theoretische Chance auf die erste Medaille. Doch dafür muss am letzten Zwischenrunden-Spieltag nicht nur Frankreich geschlagen werden, sondern auch die Konkurrenz mitspielen.