In die Gesamtstrafe wurden vorherige Verurteilungen einbezogen.

Toni B., dem intelligenten jungen Mann aus Cottbus, der inzwischen sein Abitur gemacht hat, studieren oder zur Bundeswehr gehen will, verlassen in seiner Freizeit offensichtlich alle guten Geister. Vor allem beim Fußball gerät der angebliche „Fan“ des FC Energie Cottbus außer Rand und Band, wie Anzeigen bei der Polizei und Vorstrafen belegen.
Nach der Beteiligung von Toni B. bei Randalen von Mitgliedern und Sympathisanten der berüchtigten „Fan“ -Gruppe „Inferno“ beim Oberliga-Spiel von Auerbach gegen den FCE-Nachwuchs war nun auch für die Justiz das Maß voll. „Die Gesamtstrafe von zwei Jahren und drei Monaten ohne Bewährung ist für einen Jugendlichen schon hart“ , bewertete der Sprecher des Landgerichtes Cottbus, Frank Merker, das Urteil des Jugendschöffengerichtes.
Das hatte zunächst noch einmal Nachsicht walten lassen. Toni B. hatte sich zwar in Auerbach in aller Öffentlichkeit als Chaot aufgeführt, öffentlich verantworten musste er sich dafür aber nicht. Das Gericht schloss Prozessbeobachter vom Verfahren aus, um die Persönlichkeit des Heranwachsenden zu schützen.

Das Stadion gestürmt
Der Bericht kann sich deshalb nur auf Informationen des Sprechers des Landgerichtes stützen. Demnach hat Toni B. gestanden, dass sich eine Gruppe von 40 bis 50 Leuten am Spieltag nach Auerbach aufgemacht hatte: nicht mit rot-weißen FCE-Fan-Utensilien, sondern schwarz gekleidet mit Schals und Kapuzen, um sich zu vermummen und eine Identifizierung zu verhindern.
Toni B. hat laut Gericht eingeräumt, dass es Personen waren, die einst zu „Inferno“ gehörten. Allerdings trete die Gruppe nach Aussage von Toni B. nicht mehr als solche auf. Fotos von den Ausschreitungen belegen allerdings anderes. Er habe geschildert, wie die Meute in das Stadion gestürmt und dabei die Ordnungskräfte überrannt hatte. Sofort habe die vermummte Schar versucht, in den Block der einheimischen Fans zu gelangen.
Der Angeklagte hat laut Gericht auch seine Beteiligung an den Sachbeschädigungen im Auerbacher Stadion zugegeben. Werbebanden wurden damals zertrümmert, Fahnen heruntergerissen, eine Platzwalze in Bewegung gesetzt, um sich Zugang zum Spielertunnel zu verschaffen. Bestritten habe der Angeklagte dagegen Nazi-Äußerungen wie „Sieg heil!“ In diesem Anklagepunkt wurde er freigesprochen.
Nach Angaben von Toni B. sei die Gewaltorgie nicht von vornherein geplant gewesen. Die dunkle Kleidung gehöre zum Markenzeichen der Gruppe. Diese sei für ihn wie eine Familie, in der er Anerkennung genieße, habe er dem Gericht gesagt, berichtete Frank Merker.

Stadionverbot missachtet
Eigentlich hätte der junge Mann aus Cottbus das Fußball-Spiel in Auerbach gar nicht besuchen dürfen. Gegen ihn bestand zum Tatzeitpunkt ein bundesweites Stadionverbot. Toni B. will nicht gewusst haben, dass dieses nicht nur für Spiele im Profifußball gelte, sondern generell für alle Begegnungen unter Verantwortung des Deutschen Fußball-Bundes.
Geschert hat ihn dieses Stadionverbot bisher ohnehin nicht. Im Oktober vergangenen Jahres war er als Zuschauer beim Spiel von Hertha gegen den FC Energie im Berliner Olympiastadion. Die Karte soll ein Unternehmen gesponsert haben. Gemeinsam mit weiteren Chaoten hatte er sich dort eine Schlägerei mit Hertha-Fans geliefert. Dafür wurde er vom Amtsgericht Cottbus wegen gefährlicher Körperverletzung und Hausfriedensbruchs verurteilt. Bereits Weihnachten 2006 war Toni B. in die gewalttätige Auseinandersetzung in einer Cottbuser Gaststätte verwickelt.
Trotz des unrühmlichen Verhaltens in jüngster Vergangenheit soll Toni B. für die nächsten Jahre eine berufliche Perspektive bei der Bundeswehr besitzen. Nach RUNDSCHAU-Informationen ist ihm der Dienst in Uniform als Zeitsoldat in Aussicht gestellt worden. Das Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung, Land- und Hausfriedensbruchs sowie Sachbeschädigung ist noch nicht rechtskräftig.
Toni B. ist der erste Ran dalierer von Auerbach, der sich vor einem Gericht für die Ausschreitungen verantworten musste. Gegen weitere 24 mutmaßliche Täter liegen Anklagen der Staatsanwaltschaft vor. Prozesstermine gibt es noch nicht.