Herr Junghanns, der Wahlkampf ist fast vorüber. Erreicht Ihre Partei die selbst gesteckten Ziele?Ja.Worauf gründet Ihre Zuversicht?Darauf, dass die CDU in den Kommunen des Landes sehr gut aufgestellt ist und überzeugende Kandidaten mit hohem Ansehen präsentieren kann. Das wird das Entscheidende bei dieser Wahl sein.Die jüngsten Umfragen eignen sich als Grundlage für Ihren Optimismus eher weniger. Darin liegt die CDU als Kommunalwahl-Gewinner von 2003 weit hinter SPD und Linken.Diese Umfrage bezog sich nicht auf die kommunale Ebene. Deshalb hat sie keine Aussagekraft für Sonntag.Sie setzen also darauf, dass das zerrissene öffentliche Bild der Landes-CDU nicht bis in die Kommunen durchschlägt?Ach, wissen Sie, manchmal habe ich das Gefühl, das mit der Zerrissenheit wird inzwischen schon fast reflexartig verwendet. Natürlich gab es auch in diesem Wahlkampf einige Situationen, die dieses Bild bestärken. Doch wir schauen nicht in den Rückspiegel, sondern nach vorn. Da gibt es in der Parteispitze, gerade was inhaltliche Fragen betrifft, eine große Geschlossenheit. Und die Kandidaten vor Ort konnten sich sicher nicht über mangelnde Unterstützung beklagen. Und Sie gehen davon aus, dass diese Geschlossenheit auch über den Wahltag hinaus erhalten bleibt - unabhängig vom Wahlergebnis?Ich gehe davon aus, dass die CDU mit dem Wahlergebnis, das wir dann gemeinsam eingefahren haben und bewerten werden, klug und fair umgeht - so unterschiedlich, wie die Bedingungen im Land sind. Wer jetzt gute Erfahrungen mit der geschlossenen Unterstützung der eigenen Kandidaten gemacht hat, wird wissen, dass öffentlich ausgetragene Zerwürfnisse niemanden voranbringen. Nach der Wahl ist schließlich vor der Wahl.Was kann die CDU aus den Erfahrungen der Kommunalwahl im Jahr 2008 für den Landtagswahlkampf im Jahr 2009 lernen?Die Kommunalwahlen legen eine gewisse Basis für das, was im kommenden Jahr geschieht. Wenn die CDU jetzt gute Ergebnisse einfährt, dann ist das gleichzeitig auch ein guter Start für die Landtagswahlen. Wenn nicht, dann wird es natürlich Diskussionsbedarf geben. Aber auch hier gilt: Die Union ist immer dann am stärksten, wenn sie geschlossen auftritt. Könnte es demnach am 28. September auch um das politische Schicksal des CDU-Landesvorsitzenden Ulrich Junghanns gehen?Es geht nicht um Personen, sondern immer nur um unser Land und die CDU.Um die geht es sicher auch den Kandidaten in den Kommunen. Bei der Kommunalwahl 2008 treten deutlich mehr Bewerber für Ihre Partei an als noch im Jahr 2003. Ein Hinweis auf nachlassende Politikverdrossenheit im Land?Tatsächlich haben wir ein sehr breites und damit repräsentatives Spektrum an Kandidaten im Land. Das ist ein sehr positives Signal dafür, dass die Bürger eines begriffen haben: Kommunalpolitik ist wichtig, weil hier Entscheidungen von großer Tragweite getroffen werden. Das zeigt sich übrigens gerade dann, wenn kommunalpoltisch Fehler gemacht werden. Wenn ihr Eindruck richtig ist, dann müsste es sich auch in der Wahlbeteiligung zeigen.Darauf hoffen und dafür arbeiten wir - sehr intensiv gerade jetzt in den letzten Tagen vor der Wahl, die entscheidend für die Mobilisierung der Wähler sind.Und mit welcher Wahlbeteiligung rechnen Sie am Sonntag?Ich wünsche mir schon mehr als 50 Prozent. Damit diejenigen, die Verantwortung übernehmen, entsprechend legitimiert sind und die dafür notwendige Autorität haben. Im Übrigen gibt es meiner Auffassung nach in einer freiheitlichen Demokratie keinen triftigen Grund, nicht wählen zu gehen. Aber es gibt Tausend Gründe, zur Wahl zu gehen - und CDU zu wählen. In Cottbus ist die CDU im Jahr 2006 zur Oberbürgermeisterwahl gemeinsam mit der Linken angetreten. Toleriert die Landespartei weitere solche Bündnisse?Nein. Der Landesvorstand hat das schon damals abgelehnt. Rückblickend hat es uns ja auch nicht gut getan. Dass in einzelnen Sachfragen mitunter gemeinsam mit der Linken abgestimmt wird, wird natürlich auch künftig vorkommen. Das lässt sich im Sinne einer pragmatischen Kommunalpolitik ja auch gar nicht verhindern. Bei der Errichtung einer Ampelanlage kommt es darauf an, ob sie verkehrspolitisch Sinn macht, nicht, welche Partei ihre Aufstellung beantragt. Gibt es weitere Koalitionen, die Ihre Partei auf kommunaler Ebene ausschließt?Koalitionen mit Rechtsextremen. Alle anderen Optionen sind offen, denn gerade in der Kommunalpolitik sind stabile Mehrheiten äußerst wichtig. Sonst nämlich schlägt, scherzhaft gesagt, die Sternstunde der Verwaltung. Da spreche ich aus eigener Erfahrung. Wenn Sie den bisherigen Wahlkampf einmal Revue passieren lassen: Welche Themen haben die Bürger besonders bewegt?Das war doch sehr unterschiedlich: In Birkenwerder war es beispielsweise der Bau einer Straße, in anderen Gegenden waren es die hohen Abwasserpreise. In Cottbus ist die schnelle Bahnanbindung nach Berlin ein wichtiges Thema gewesen. Und da will ich eines an dieser Stelle ganz klar sagen: Wir werden die Cottbuser in dieser Frage nicht alleine lassen. Wir werden nicht hinnehmen, dass die Bahn diese wichtige Strecke inklusive der weiteren Verbindung nach Breslau einfach vertagt. Manchmal hat man schon das Gefühl, dass die Verantwortlichen überhaupt keine Ahnung haben, wie das Leben in Deutschland tickt. Es geht um eine europäische Verbindung. Gab es ein Thema, das landesweit eine Rolle gespielt hat?Breit diskutiert wurde überall im Land das Thema Strompreise. Hierbei habe ich den Eindruck, dass sich auf kommunaler Ebene zunehmend Gedanken über passgenaue Konzepte für den eigenen Ort gemacht werden. Wir werden künftig nicht nur einen Mix aus herkömmlichen und erneuerbaren Energieträgern haben, sondern auch einen Mix aus zentralen und dezentralen Stromerzeugungsanlagen. Dieser Prozess ist in vollem Gange. Ein Thema auch für den Landtagswahlkampf?Ganz sicher. Es geht um die Frage einer bezahlbaren, sicheren und umweltschonenden Energieversorgung. Die Position der Großen Koalition dazu ist klar - anders als bei der Linkspartei, die sich nicht zwischen dem Kurs Lafontaines pro Kohleverstromung und der Position anderer hier im Land entscheiden kann. Aber das ist deren Problem, verlässlich sind sie jedenfalls nicht. Es zeigt sich erneut: Parteien mit linken Saarländern an der Spitze tun dem Osten Deutschlands nicht gut.Im Vorfeld der Kommunalwahl gab es heftige Kritik an den Scheinkandidaturen mehrerer hauptamtlicher Kommunalpolitiker für Kreistage. Sollte das bestehende Verbot solcher Kandidaturen aus Ihrer Sicht aufgehoben werden?Auch in der neuen Kommunalverfassung bleibt es dabei, obwohl die CDU für eine Aufhebung war. Dass es in der Realität nun dennoch solche Kandidaturen gibt, kann Anlass sein, die Regelung noch einmal zu überdenken. Allerdings glaube ich nicht, dass die Koalition in dieser Legislaturperiode noch einmal an das Thema Kommunalverfassung herangeht - eine andere übrigens auch nicht. Im kommenden Jahr findet auch die Bundestagswahl statt. Hier will Ihre Partei das Thema "20 Jahre Mauerfall" in den Blickpunkt rücken und plant eine Kampagne gegen "DDR-Nostalgie". Welche Rolle wird das Thema im Land Brandenburg spielen?Eine ganz große. Schon weil Landtags- und Bundestagswahlen voraussichtlich zum selben Termin stattfinden, ist mit einer breiten Überlappung der Themen zu rechnen. Der Fall der Mauer und das Ende der DDR ist für die CDU, die Partei der Einheit, auch in Brandenburg ein Kernthema - gerade vor dem Hintergrund der Dreistigkeit, mit der heute von den Linken wieder der Sozialismus propagiert und die Verstaatlichung von Familienunternehmen gefordert wird. Es geht darum, den Bürgern in Erinnerung zu rufen, dass das ja wohl keine Lösungen für die Zukunft sein können und dass in den vergangenen zwanzig Jahren schon eine ganze Menge erreicht worden ist. Dank der Leistung der Menschen in Brandenburg und den neuen Ländern insgesamt. Auch das werden wir deutlich herausstellen. Die Thematisierung der DDR im Wahlkampf mit der ihm eigenen Zuspitzung scheint gerade im Osten nicht ohne Risiko. Hier reagieren die Menschen hoch sensibel, wenn Sie ihre Lebensleistung infrage gestellt sehen.Darum müssen wir ganz präzise ansprechen, was uns stört: Leute, die wider besseren Wissens oder in politischer Absicht ein System in ein neues Licht stellen wollen, das weltweit gescheitert ist. Demgegenüber steht die CDU an der Seite all jener, die aus der Vergangenheit die richtigen Konsequenzen gezogen und die Chancen ergriffen haben, die soziale Marktwirtschaft und repräsentative Demokratie für Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit bieten.Mit ULRICH JUNGHANNSsprachen Dieter Schulz, Verena Ufer und Tim AlbertMehr zu den Kommunalwahlen in Brandenburg lesen Sie unter: www.lr-online.de/kommunalwahl