Wahltrend 1: Die CDU verliert die Lausitz

Wenn man sich die Wahlergebnisse vom 1. September in Brandenburg und Sachsen im Detail anschaut, dann wird deutlich, dass es große Unterschiede gibt. In Brandenburg beispielsweise hat die CDU ihr Kernland verloren. Bisher hatte sie in der Lausitz stets ihre besten Ergebnisse – gegen das rote Potsdam und grüne Berliner Umland. Diesmal ist davon wenig geblieben. Zwar holt die CDU in Elbe-Elster mit annähernd 20 Prozent noch ihre besten Ergebnisse, liegt damit aber deutlich hinter AfD und sogar der SPD.

In Sachsen sieht es zum Teil noch besser aus. In der Oberlausitz kann die CDU die AfD zum Teil sogar schlagen bei den Zweitstimmen, verliert aber trotzdem alle Direktmandate – mit Ausnahme von Ministerpräsident Michael Kretschmer.

Wahltrend 2: Die Linke verliert den Osten

Die Linkspartei als Stimme des Ostens? Das ist wohl Geschichte. Sowohl in Brandenburg als auch in Sachsen ist die Linke der größte Wahlverlierer, büßt mehr Stimmen ein als alle anderen Parteien. Die gefühlten Wendeverlierer wenden sich offenbar der AfD zu, die für sich beansprucht, Stimme des Ostens zu sein. Ob sie es ist, bleibt dahingestellt.

Waldtrend 3: Die Zukunft ist grün

Mit 8,6 beziehungsweise 10,8 Prozent sind die Stimmenanteile der Grünen geringer ausgefallen als zwischenzeitlich nach dem Umfragen erwartet. Dennoch können die Grünen zulegen. Auffällig ist das vor allem, wenn man die Zahlen von Infratest dimap zum Wahlverhalten der einzelnen Altersgruppen betrachtet. Bei den jungen Wählern in Brandenburg (16 bis 24 Jahre) sind die Grünen mit Abstand stärkste Kraft, können ihr Ergebnis auf 27 Prozent nahezu verdoppeln. Je älter die Wähler werden, desto geringer ist der Anteil der Grünen.

In Sachsen sieht es ähnlich aus. Allerdings kommen die Grünen hier bei den jungen Wählern nur auf 20 Prozent. Ein möglicher Grund: In Sachsen darf man – anders als in Brandenburg – erst ab 18 wählen. Betrachtet man sich die Ergebnisse der vorher in einigen Schulen in Sachsen durchgeführte U18-Wahl sieht man auch hier den Trend. 27 Prozent holten die Grünen bei der U18-Wahl in Sachsen.

Daraus lässt sich ableiten: Die Generation „Fridays for Future“ wird künftige Wahlen noch stärker beeinflussen als bisher – in Richtung grün.

Das deutet sich in Potsdam schon an, wo Marie Schäffer (28) von der Grünen Jugend überraschend ihren Wahlkreis gegen SPD-Schwergewicht Klara Geywitz gewinnen konnte.

Wahltrend 4: Ohne Merkel geht es auch nicht

Ganz bewusst haben sich die CDU-Wahlkämpfer in Brandenburg und Sachsen von ihrer Kanzlerin distanziert. Angela Merkel fand im Wahlkampf praktisch nicht statt. Zu groß war die Angst vor den „Merkel-muss-weg“-Rufern aus dem AfD-Lager. Auch bei der Farbgebung ihrer Wahlkampagnen haben sich die CDU-Gruppen in Brandenburg und Sachsen ganz bewusst von der Bundespartei abgesetzt – mit unterschiedlichem Erfolg.

Die Brandenburger CDU, die farblich in ihren Wahlplakaten wenig von SPD oder Linken abhob, hat mit 15,6 Prozent eine Klatsche einstecken müssen.

In Sachsen, wo sich Kretschmer mit seinem grün-weißen Sachsen-Wahlkampf deutlich von allen anderen Parteien absetzte, sah das Ergebnis besser aus. Allerdings hat auch hier die CDU deutliche Verluste einstecken müssen.

Wahltrend 5: das kuriose Stimmensplitting der Oberlausitzer

Einige Wähler haben am Sonntag bewusst strategisch gewählt – oder es zumindest versucht. Das zeigt sich an den teils deutlichen Unterschieden zwischen Erst- und Zweitstimmen. Um beispielsweise einen AfD-Direktkandidaten zu verhindern, haben Wähler zum Teil mit der Erststimme den CDU- oder SPD-Kandidaten gewählt. In vielen Fällen war das aber nicht von Erfolg gekrönt.

Auffällig ist das Stimmensplitting in der Oberlausitz. Hier hat die CDU in einigen Wahlkreisen die Mehrheit der Zweitstimmen geholt, das Direktmandat aber an die AfD verloren. So haben etwa im Wahlkreis Görlitz 1 (rund um Weißwasser) rund 1000 Menschen ihre Zweitstimme der CDU gegeben, die Erststimme aber offenbar den aussichtslosen Kandidaten von SPD und Freien Wählern. Ähnlich sieht es im Wahlkreis Bautzen 1 aus, wo die Kandidaten von Linken und FDP deutlich mehr Erst- als Zweitstimmen gezogen haben. Ob das ein Misstrauensvotum gegen die kandidierenden CDU-Lokalpolitiker war?

Wahltrend 6: die fast folgenlose Wahlpanne der AfD

Zwist innerhalb der eigenen Partei hat dazu geführt, dass es die AfD nicht schaffte, einen eigenen Kandidaten für die Direktwahl in OSL an den Start zu schicken. Wähler im Wahlkreis OSL I hatten folglich bei der Erststimme nur die Wahl zwischen Ingo Senftleben (CDU), Gabriele Theiss (SPD) und anderen Kandidaten. Der Wahlbeteiligung hat das offenkundig nicht geschadet, sie lag mit 60 Prozent auch hier vergleichsweise hoch. Mit der Zweitstimme entschieden sich die AfD-Wähler offenbar für den Parteilosen Marcel Respa, der beachtliche 14,1 Prozent holte – und für Senftleben. Der CDU-Spitzenkandidat konnte so – auch dank der „Leihstimmen“ aus dem AfD-Lager – seinen knappen Vorsprung gegenüber Gabriele Theiss behaupten.

Auswirkungen auf das Gesamtergebnis der AfD in Brandenburg hatte das Ergebnis auch nicht, da die Partei genügend Kandidaten über ihre Liste in den Landtag schicken kann.

Wahltrend 7: der bittere Abend der SPD-Ministerinnen

Lange Gesichter gab es am Wahlabend bei der Brandenburger SPD. Zwar konnte die Partei besser Abschneiden als in den Umfragen prognostiziert und sich als stärkste Kraft im Land behaupten. Dennoch gingen einige Plätze im Landtag verloren. Und da man in zahlreichen Wahlkreisen im Norden und Westen Brandenburgs die Direktmandate gewinnen konnte, wird es kein Kandidat von der Landesliste in den Landtag schaffen.

Problematisch ist das vor allem für Fachpolitiker, die normalerweise über einen gesicherten Listenplatz in den Landtag gehoben werden. Bei der SPD trifft das vor allem die Liste der Ministerinnen wie Britta Stark (bisher Bildungsministerin, Platz 2 der Landesliste), Martina Münch (bisher Wissenschaftsministerin, Platz 14) und Kathrin Schneider (bisher zuständig für Infrastruktur, Platz 16). Auch Klara Geywitz, die doch so gerne SPD-Bundesvorsitzende werden möchte, hat nach ihrer überraschenden Niederlage in Potsdam kein Glück mit ihrem eigentlich so sicher scheinenden Listenplatz 10.

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