Die bisherigen Ministerpräsidenten von Brandenburg und Sachsen werden – so sieht es nach den Ergebnissen am Wahlabend aus – auch künftig regieren können. Sie werden sich aber neue Koalitionspartner suchen müssen. Die bisherigen Zweierbündnisse Rot-rot und Schwarz-rot werden alleine keine Mehrheit zusammenbekommen.

Landtagswahl in Brandenburg: SPD braucht zwei Koalitionspartner

In Brandenburg kommt die SPD laut vorläufigem Endergebnis auf 25 Sitze im künftigen Landtag. Ihr bisheriger Koalitionspartner, die Linke, bekommt 10. Der Landtag insgesamt wird 88 Mitglieder umfassen. Für eine Regierungsmehrheit sind also 45 Sitze nötig. Die könnten SPD und Linke zusammen mit den Grünen bekommen, die ebenfalls bei 10 Sitzen gelandet sind.

Die AfD kommt auf 23 Sitze, die CDU auf 15, die Freien Wähler auf 5. Die FDP schafft es nicht in den Landtag.

Rechnerisch möglich wären demnach auch folgende Regierungskonstellationen:

Kenia (SPD, CDU und Grüne) hätten 50 Sitze.

SPD, CDU und Freie hätten 45 Sitze

SPD, CDU und Linke würden auf 50 Sitze kommen.

AfD und CDU – in der LR-Umfrage am Wahlabend favorisiert – verfügen mit 38 Sitzen nicht über eine Mehrheit.

Landtagswahl in Sachsen: CDU kann sich ihre Partner aussuchen

In Sachsen blieb es am Wahlabend bis zum Schluss spannend. Laut Vorläufigem Wahlergebnis vom Dienstagmorgen bekommt die CDU 45 Sitzen im künftigen Landtag . Insgesamt wird es 119 Abgeordnete geben. Für eine Regierungsmehrheit wären also 60 Sitze nötig. Die SPD holt demnach lediglich 10 Sitze, die Grünen 12, die Linken 14. Die AfD käme auf 38 Sitze. Nach einer Entscheidung des Landeswahlausschusses können von der AfD nur 30 AfD-Kandidaten in den Landtag kommen, durch Direktmandate, von denen die AfD einige gewonnen hat, wären allerdings mehr Plätze möglich zu besetzen.

Landtagswahl in Sachsen: Kenia würde gehen

Das macht die Regierungsbildung schwierig. Rechnerisch sieht es bisher so aus:

Die bisherige große Koalition (Schwarz-rot) käme auf 55 Sitze. 60 wären nötig

Schwarz-Grün käme auf 57 Sitze.

Die von Ingo Senftleben in Brandenburg ins Spiel gebrachte Schwarz-Links-Kombi – die Kretschmer in Sachsen ablehnt – käme auf 59 Sitze – auch das würde reichen.

Schwarz-blau – die Wunschvorstellung der AfD, die Kretschmer allerdings ablehnt – hätte 83 Sitze. Es wird also wohl ein Dreierbündnis brauchen:

Kenia (Schwarz-rot-grün) käme auf 67 Sitze. Das reicht zum Regieren

Schwarz-grün-dunkelrot wäre rechnerisch auch möglich (71).

Ebenso Schwarz-rot-dunkelrot (69).

Landtagswahl in Brandenburg: Das sagen die Parteien

Woidke (SPD) sieht sich vor schwierigen Koalitionsverhandlungen und strebt eine stabile Regierung an. „Das ist nicht ganz leicht, wir haben in Brandenburg nur drei Monate Zeit“, sagte er in der ARD. „Wir werden jetzt in den nächsten Tagen sondieren und sehen, mit wem man die Herausforderungen am besten lösen kann.“

AfD-Spitzenkandidat Kalbitz will „eine harte und konstruktive Oppositionsarbeit“ machen, sagte aber auch mit Blick auf weitere Optionen: „Ich denke da eher an einen Langstreckenlauf politisch.“

CDU-Landeschef Senftleben bot der SPD eine Zusammenarbeit an. Politische Konsequenzen zieht er nach jetziger Lage nicht: „Ich bin für dieses Ergebnis natürlich verantwortlich, aber auch für den künftigen Kurs“, sagte er im RBB. Senftleben hatte im Wahlkampf eine Zusammenarbeit mit Woidke - nicht der SPD - abgelehnt. Er ruderte nun zurück: „Ich habe das sehr zugespitzt, aber es geht jetzt darum, dass wir Inhalte nach vorn stellen.“

Grünen-Spitzenkandidatin Ursula Nonnemacher ließ offen, mit wem ihre Partei möglicherweise koalieren wird: „Wir möchte keine Fortsetzung der bisherigen Regierung nur mit grünen Stimmen, sondern wir möchten auch grüne Inhalte umsetzen“, sagte sie in der ARD.

Landtagswahl in Sachsen: Das sagen die Parteien

„Die Zeichen stehen auf Kenia“, sagte auch der Dresdner Parteienforscher Hans Vorländer. Er glaubt, dass das etwas schwächere Abschneiden der Grünen dazu führt, das Bündnis leichter schmieden zu können.

Kretschmer (CDU) sagte zum Wahlausgang: „Das freundliche Sachsen hat gewonnen.“ Er fügte hinzu: „Das Entscheidende ist doch, dass hier ein klares Signal von dieser Landtagswahl ausgeht: Es ist möglich, eine Regierung zu bilden mit positiven Kräften, die mit Kraft nach vorn geht.“

Grünen-Spitzenkandidatin Katja Meier betonte im ZDF mit Blick auf CDU und SPD, ihre Partei habe gesagt, dass sie Verantwortung übernehmen wolle. „Was aber auch ganz klar ist: Es kann kein Weiter so geben von CDU und SPD, und wir Grünen dann als Anhängsel, die ein bisschen Umweltpolitik machen. Es muss sich ganz klar etwas ändern.“

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