Bernd Speer muss etwas überlegen, als er gefragt wird, wie er die Stimmung in Eichwalde nach dem Mord an Alyssa beschreiben würde: "Es hat sich ein Schatten über den Ort gelegt", sagt der Bürgermeister der Gemeinde. Jeder wusste, was passiert war, jeder war geschockt. Davon sei ein Jahr später immer noch viel zu spüren, sagt Speer. "Aber wir trauern ruhig." Deswegen habe es auch keine Trauerfeier der Gemeinde gegeben. Man habe aber ein Spendenkonto für die Familie eingerichtet.

Für ihn und die Verwaltung waren die Tage nach dem Mord an Alyssa ein "innerer Spagat". Zum einen musste man die Geschäfte im Rathaus am Laufen halten. "Wir hatten Sitzungen zum Thema Haushalt, die konnten nicht abgesagt werden", sagt er. Auf der anderen Seite wurden aber einige Termine verschoben, zum Beispiel mit dem Tourismusverband. "Alle Anfragen zu dem Mordfall sind bei mir gelandet", sagt Speer. So sollte verhindert werden, dass unterschiedliche Aussagen nach außen dringen. Im Rückblick habe das gut geklappt. Er hat damals auch den Kontakt zur Familie gesucht. "Sie sollen wissen, dass Menschen im Rathaus für sie da sind."

Schmerzhafte Fragen

Einer, der Alyssas Familie seit einem Jahr betreut, ist, Karsten Blieske von der Opferhilfe "Weißer Ring". Er hilft der Familie vor allem in organisatorischen Dingen. Er freut sich über die Anteilnahme, die die Familie erfahren hat. Aber er kritisiert, wie taktlos einige Behörden nach dem Mordfall agiert haben. Zum Beispiel, bei Formularen, die ausgefüllt werden müssen, um bestimmte Ansprüche zu bewilligen. Einige Fragen seien so missverständlich formuliert, dass für die Betroffenen der ganze Schmerz wieder hervorgerufen werde. Blieske fordert da mehr Sensibilität der Ämter. Undine Schellschmidt von der Wildauer Ludwig-Witthöft-Oberschule, die Alyssa zuletzt besuchte, will sich gegenüber der MAZ nicht äußern. Die Schulleiterin sagt nur, dass sich Psychologen um die Schüler kümmern, wenn diese das wünschen.

So was war hier unvorstellbar

Auf dem Zeuthener Friedhof kommt eine Frau aus dem Kopfschütteln kaum heraus, als sie auf Alyssa angesprochen wird. Nur wenige Meter von dem Grab ihres Bekannten, dass sie pflegt, liegt Alyssas Urne. "Dass so etwas passiert, ist unvorstellbar", sagt sie. Dass Eichwalde immer noch fassungslos von dem Mord an der 14-Jährigen ist, zeigt auch die Stelle, an der Alyssa ermordet wurde. Immer wieder werden dort Kerzen angezündet.