Knapp 200 Filme aus etwa 45 Ländern werden bis zum Sonntag zu sehen sein. Festivalmacher wollen nicht einfach nur die weltgrößte Plattform für den osteuropäischen Film bieten, sondern den Trends nachspüren und sie in Cottbus darstellen. Diese Idee lässt sich auch in diesem Jahr besonders im Hauptwettbewerb Spielfilm ablesen. Zwölf Kandidaten gehen ins Rennen um die Preisskulptur "Lubina" und den Hauptpreis in Höhe von 25 000 Euro. Und sie sind in der Tat sehr unterschiedlich. Aus Polen etwa kommt mit "Planet Single" ein Blockbuster, der in seinem Heimatland 1,9 Millionen Zuschauer vor die Leinwände lockte und sich damit an die Spitze der Kinocharts setzte. Eine flotte Gegenwartskomödie, die sich beispielsweise misst mit "All the City of the North" aus Serbien, hier geht's ganz und gar nicht lustig zu, hier wird zudem extrem wenig gesprochen.

"Zoologie" aus Russland wiederum stellt uns eine Frau vor, der plötzlich ein Schwanz wächst, wie eigenartig ist das denn? Eine gewisse Eigenart ist auch "Houston, wir haben ein Problem" nicht abzusprechen: Hatte das sozialistische Jugoslawien etwa ein geheimes Raumfahrtprogramm, auf das die Amerikaner scharf waren? "The last Family" porträtiert das Leben des polnischen Malers Zdislaw Beksinski. Eine zwistgeplagte Familie in Ungarn steht im Mittelpunkt von "It's not the time of my life".

Oder soll's lieber ein Mix aus Thriller und Comic sein? Bitte schön: "Kills on Wheels" aus Ungarn wird ins Rennen um die Oscars für den besten fremdsprachigen Film gehen. Gleiches gilt für den georgischen Beitrag "Das Haus der Anderen" über eine Familie, die sich in einem im Krieg verlassenen Dorf anzusiedeln versucht. Ebenfalls vor sehr ernsthaftem Hintergrund bewegt sich "Der Ankläger, der Verteidiger, der Vater und sein Sohn": Hier geht es um Kriegsverbrechen während der Jugoslawienkriege. Diese drei Filme sind vor einiger Zeit beim Festival als Projekte auf dem Koproduktionsmarkt connecting cottbus (coco) vorgestellt und erfolgreich verwirklicht worden. Eine Säule des Festivals: In diesem Jahr bringt coco zum 18. Mal wichtige Branchenvertreter zusammen - Produzenten, Förderer, Verleiher, Filmemacher. Über zehn Projekte wird diesmal diskutiert.

Das Filmfestival behält überdies mit der Cottbuser Filmschau das Schaffen regionaler Filmemacher aus Cottbus, der Region Berlin-Brandenburg und der sächsischen Lausitz im Blick. Bereits am Vorabend der Eröffnung, am heutigen Montag, sind im Weltspiegel deren Werke zu sehen. Sie konkurrieren um drei Preise. Bei der Filmschau, die ihre 14. Auflage erlebt, sind kürzere Beiträge zu sehen, eine Spieldauer von 15 Minuten darf nicht überschritten werden. Erstmals mit vier Kurzfilmen wird das Festival morgen im Großen Haus des Staatstheaters offiziell eröffnet.