"Meine Aufopferung wird nicht vergeblich sein, sie wird ein moralisches Beispiel sein, das die Untreue, die Feigheit und den Verrat bestrafen wird." Das waren die letzten Worte des chilenischen Präsidenten Salvador Allende über Radio Magallanes am 11. September 1973. Zu diesem Zeitpunkt hatte der erste Sozialist im Regierungspalast La Moneda keine Chance mehr, sich dem Staatsstreich der Militärs entgegenzustemmen.

Es war ein grauer Dienstagmorgen. Allende war früh angekommen, nachdem er von den ersten Truppenbewegungen der Marine in Valparaíso erfahren hatte. Heerespanzer umzingelten das Regierungsgebäude. Die Putschisten forderten den Präsidenten zum Rücktritt auf. Ihm werde freies Geleit ins Ausland garantiert. "Scheißverräter!", hieß die Antwort Allendes.

Am Mittag begann der Bombenangriff der Hawker Hunter der Luftwaffe. Zwei Stunden später beging der Staatschef Selbstmord, kurz vor dem Eindringen der Militärs. Das dreijährige Experiment eines "demokratischen Wegs zum Sozialismus" war abgebrochen worden. "Mission erfüllt, Präsident tot", meldete seinen Vorgesetzten der General Javier Palacios, der den Angriff anführte.

Unter der Führung des Generals Augusto Pinochet begannen 17 Jahre Diktatur, in denen bis zu 38 000 Menschen gefoltert oder getötet wurden. Unter den Opfern war Luftwaffen-General Alberto Bachelet, der sich dem Staatsstreich widersetzt hatte. Er starb im März 1974 an den Folgen der Folter, die er im Keller der Luftwaffenakademie erlitten hatte. Zum Direktor der Akademie war der damalige Luftwaffen-Oberst Fernando Matthei ernannt worden - vier Jahre später wurde er als Luftwaffenchef Mitglied der Militärjunta und blieb dies bis zur Wiedereinführung der Demokratie 1990. Von der Folterung seines Freundes Bachelet habe er nichts gewusst, erklärte Matthei vor zwei Monaten vor Gericht.

40 Jahre nach dem Staatsstreich stehen sich die Töchter der beiden Luftwaffengeneräle, Michelle Bachelet und Evelyn Matthei, als Kandidatinnen bei der Präsidentenwahl am 17. November gegenüber. Als Favoritin gilt die Sozialistin Bachelet, die bereits von 2006 bis 2010 Staatschefin war. Matthei kommt vom rechtskonservativen Lager der Unión Demócrata Independiente (Unabhängige Demokratische Union, UDI), die von dem Chef-Ideologen der Pinochet-Regierung Jaime Guzmán gegründete Partei. Matthei war bis vor Kurzem Arbeitsministerin des Präsidenten Sebastián Piñera.

"Wir wollen überwinden, (aber) nicht vergessen", erklärte Piñera am vergangenen Freitag, als er alle Parteien zu den Gedenkfeiern des 40. Jahrestags des Putsches einlud. "Nie wieder und unter keinerlei Umständen können die Menschenrechtsverletzungen gerechtfertigt werden", erklärte der Staatschef, dessen konservative Partei Renovación Nacional (Nationale Erneuerung, RN) die Kandidatur Mattheis mitträgt.

Nach 40 Jahren sind die Anhänger der Diktatur deutlich weniger geworden. Eine jüngst veröffentlichte Umfrage ergab nur noch sieben Prozent Zustimmung, 37 Prozent schätzten das Pinochet-Regime negativ ein. Vor vier Jahren hatten es noch 14 Prozent gutgeheißen, während sich 23 Prozent kritisch äußerten. Die Auswirkungen der Diktatur werden aber noch immer von einer breiten Mehrheit wahrgenommen: 75 Prozent der Befragten gaben an, dass die Folgen der Diktatur weiterhin spürbar seien.